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EM Dressur: Isabell Werth gewinnt Bronze im Grand Prix Special

30.08.2025
Die deutsche Equipe durfte sich im Grand Prix Special der Europameisterschaften Dressur in französischen Crozet über eine Bronzemedaille freuen: Isabell Werth und Wendy de Fontaine überzeugten mit 79,027 Punkten und waren damit erneut das beste deutsche Paar. Ganz knapp verpasste Katharina Hemmer mit Denoix PCH einen Platz auf dem Podium.
Damit setzt Isabell Werth ihre Serie starker Championatsleistungen fort und bestätigte auch in Crozet ihre Rolle als wichtigste Stütze des deutschen Teams. Der EM-Titel ging an den Belgier Justin Verboomen mit Zonik Plus (82,371 Punkte), Silber an die Dänin Cathrine Laudrup-Dufour mit Mount St John Freestyle (81,687 Punkte) und Bronze an Isabell Werth mit Wendy de Fontaine. Nicht Gold verpasst, sondern Bronze gewonnen hat Isabell Werth (Rheinberg) mit Wendy de Fontaine (Besitzer: Château de Fontaine und Madeleine Winter-Schulze). Zwei kleine Fehler und zwei starke Konkurrenten sorgten dafür, dass die zehnte EM-Einzelmedaille der erfolgreichsten Dressurreiterin der Welt nicht golden glänzt. „Ich bin echt zufrieden. Auch wenn man mir vielleicht nicht glauben mag, dass ich auch mal mit einem dritten Platz zufrieden bin statt mit dem ersten. Ich weiß genau, wo wir stehen. Wir brauchen noch ein wenig mehr Kraft und Erfahrung“, sagte sie. Aufgrund einer kleinen Verletzung musste die neunjähriige Stute im Frühjahr pausieren, so dass es erst Anfang Juni in Balve mit den Deutschen Meisterschaften für sie wieder losging. Für die Kür rechnet sich die Rekord-Olympiasiegerin aber dennoch gute Chancen aus: „In der Kür werde ich nochmal angreifen. Die Kür ist was anderes. Sie ist voll auf Wendy zugeschnitten.“
Platz vier für Katharina Hemmer
Ein vierter Platz, der wie eine Medaille glänzt: Zu einem weiteren Höhenflug schwang sich EM-Newcomerin Katharine Hemmer (Erwitte) mit ihrem 13-jährigen Oldenburger Denoix PCH (Besitzer: Nancy Gooding und Hubertus Schmidt, Züchter: Friedrich Kuhlmann) auf. Das Paar präsentierte sich im Grand Prix Special in sehr, sehr guter Form und ging mit seiner persönlichen Bestleistung von 78,678 Punkten in Führung und auf Medaillenkurs. Eine Vorstellung, die der Bundestrainerin Monica Thedorescu die Tränen in die Augen trieb. „Die legt immer noch einen drauf, die fühlt das, hat Mut und Selbstbewußtsein. Sie überdreht nicht. Und diese Lockerheit,“ fasste sie ihre Begeisterung in Worte. „Katharina, das war ganz klasse,“ lobte ihr Ausbilder, Reitmeister Hubertus Schmidt, seine Schülerin. Für Katharina Hemmer zählte vor allem das Gefühl. „Und das war heute richtig gut.“ Auf die Kür am Sonntag schaut sie verhalten, aber zuversichtlich. „Wir haben noch nicht so viel Routine in der Kür.“ Was das für Sonntag heißt? Abwarten, dass sie über sich hinauswachsen kann, hat die 31-jährige Berufsreiterin in Crozet bisher aber bewiesen.
Verlässlich, beständig, Frederic Wandres: Der Mannschaftsolympiasieger von Paris und sein 15-jähriger Bluetooth OLD (Besitzer: Hof Kasselmann, Züchter: Gestüt Lewitz) sind eine feste Größe im deutschen Team geworden. Für das drittbeste deutsche Paar im Grand Prix standen am Ende der Prüfung 75,942 Punkte und Platz sieben auf der Anzeigetafel – wie auch schon bei der EM 2023 in Riesenbeck. „Ich bin sehr happy. Natürlich geht es auch um ein gutes Ergebnis, aber zuerst einmal muss ich mit mir und dem Pferd zufrieden sein. Und das bin ich.“ Zweimal in der Top Ten und der Einzug in die Kür lassen den Chefbereiter des Stall Kasselmann positiv auf den Sonntag schauen, wo die nächste Einzelentscheidung ansteht. Vor allem freut sich der 38-Jährige auch für seine Teamkollegin Katharina Hemmer. „Das hat sie mehr als verdient. Sie managt das super mit Denoix. Ich habe die Runde gesehen und das war auch die Runde ihres Lebens.“
Platz 16 und doch nicht in der Kür dabei ist Ingrid Klimke mit Vayron NRW (Besitzer: Rudolf Spiekermann, Züchter: Heinrich Sterthoff). Zwar kommen die besten 18 Paare des Special weiter, aber maximal drei pro Nation. Die Reitmeisterin aus Münster und der 14-jährige Vitalis-Sohn machten im Grand Prix Special als erstes Starterpaar den Auftakt. Für Ingrid Klimke, die den 1,86 Meter großen Hengst erst seit vergangenem Oktober in ihrem Stall hat, ist es die erste Europameisterschafts-Teilnahme in der Dressur, in der Vielseitigkeit ist sie sechsfache Goldmedaillen-Gewinnerin. Nach einem ganz starken Beginn, einer nicht ganz perfekten zweiten Pirouette und einem Verreiten – sie leitete die Zweierwechsel zu früh ein – wurden es am Ende 71,389 Prozent. Ingrid Klimke war nach ihrem Ritt dennoch zufrieden und lobte ihr Pferd: „Ich bin so glücklich darüber, dass Vayron heute immer bei mir war, er hat zugehört, er hat seine Stärken voll ausgespielt. Ich konnte aber auch jede Lektion so gut vorbereiten, er hat sich so angestrengt und hat heute für mich alles gegeben. Ich war richtig gerührt und deswegen überwiegt jetzt grade ehrlich gesagt das Glücksgefühl und die Dankbarkeit, dass Vayron heute am zweiten Tag einfach so toll mitgemacht hat. Das dusselige Verreiten kann ich ja abstellen.“
Ein besonderer Erfolg ist das Ergebnis des Grand Prix Special auch für die deutsche Pferdezucht: Sowohl der neunjährige Rheinländer Hengst Zonik Plus, das Erfolgspferd des belgischen Europameisters Justin Verboomen, als auch Mount St. John Freestyle, die 16-jährige Hannoveraner Stute der zweitplatzierten Cathrine Laudrup-Dufour, stammen aus deutscher Zucht. Damit war die deutsche Pferdezucht gleich doppelt auf dem Siegerpodest vertreten.
Im Grand Prix Special wird nicht nur über die erste Einzelmedaille entschieden. Die Prüfung ist auch die Qualifikation für die Kür am Sonntag. Nur die besten 18 Paare aus dem Special sichern sich einen Platz im Grand Prix Kür, die traditionell den Schlusspunkt der Europameisterschaften setzt.Am Samstag haben alle erst einmal einen Tag Pause. Dann heißt es ein wenig Kräfte sammeln. Für Zwei- und Vierbeiner. fn-press/Bo
Zum Hintergrund
Deutschland zählt zu den führenden Nationen in der Geschichte der Europameisterschaften Dressur: Mit dem Sieg gestern hat die deutsche Mannschaft 26-mal den Teamtitel gewonnen. An der Spitze dieser Erfolgsgeschichte steht Isabell Werth, die bei ihrer EM-Premiere (Senioren) 1989 mit Mannschaftsgold auch ihren ersten EM-Titel holte. Mit insgesamt 21 gewonnenen Goldmedaillen (Team, Special, Kür) ist sie die erfolgreichste Reiterin in der Geschichte der Europameisterschaften. Bei der letzten Europameisterschaft 2023 in Riesenbeck gewann Jessica von Bredow-Werndl (GER) mit TSF Dalera BB im Grand Prix Special. Da Dalera 2024 aus dem Sport verabschiedet wurde und ihre Nachwuchspferde noch nicht so weit sind, kann von Bredow-Werndl ihren Titel in Crozet nicht verteidigen.
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