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Beirat Zucht: Sprechergruppe Zucht berufen

06Mai26
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06.05.2026

Anpassung an die ZVO beschlossen


Erstmals nach der im Dezember beschlossenen Satzungsänderung traf sich der Beirat Zucht im Rahmen der Jahrestagungen von Pferdesport Deutschland in Bad Dürkheim. Neben den üblichen Anpassungen in der Zuchtverbandsordnung (ZVO) stimmten die Delegierten der Zuchtverbände der Einrichtung einer Sprechergruppe zu. Diese soll an Stelle des bisherigen Vorstands Zucht die beiden gewählten Zuchtvertreter im Präsidium, Vizepräsident Carsten Grill und Dr. Norbert Camp, in den kommenden drei Jahren bei ihren Aufgaben unterstützen und beratend tätig sein.

„Es war kein turbulentes, aber ein abwechslungsreiches Jahr. Es ging ja gleich damit los, dass sich die haupt- und ehrenamtliche Struktur deutlich verändert hat“, sagte Carsten Grill in seiner Begrüßungsansprache. „Ich möchte mir aber nicht anmaßen, in Zukunft alleine die komplette Züchterschaft und alle Rassen im Präsidium zu vertreten“, sagte Grill. „Nach Rücksprache mit dem Präsidium möchte ich deshalb gerne eine Sprechergruppe installieren und der Einfachheit halber diejenigen Personen, die in den Vorstand gewählt wurden, dafür vorschlagen“, sagte er.

Mit Zustimmung des Beirats Zucht setzt sich die künftige Sprechergruppe um Vizepräsident Carsten Grill (Eislingen) und Präsidiumsmitglied Dr. Norbert Camp (Wachtberg) damit wie folgt zusammen: (in alphabetischer Reihenfolge) Ahmed Al Sammaraie (Rotenburg), Dr. Hinni Lührs-Behnke (Verden-Borstel), Raimon Joesten (Hemmingstedt-Lieth), Ralf Johanshon (Ostbevern), Hanno Köhncke (Badendorf) Gerd Sosath (Lemwerder), Antje Römer-Stauber (Kirchhain-Kleinseelheim).

Im Zusammenhang mit der Satzungsänderung konnte Carsten Grill darüber hinaus berichten, dass es gelungen sei, das traditionelle 1:1-Stimmenverhältnis in der Mitgliederversammlung zwischen Sport und Zucht zu erhalten. Generell habe er im Laufe des Jahres aber festgestellt, dass der Sport „ein bisschen besser abgestimmt ist, als wir in der Zucht“. Hier bestehe Optimierungsbedarf, so Grill.

ZVO-Beschlussfassungen
Als entscheidendes Gremium fasste der Beirat Zucht in Bad Dürkheim auch einige Beschlüsse zur Änderung und Anpassungen bezüglich der Zuchtverbandsordnung (ZVO).

Hengstleistungsprüfungen Reitpferde: Nur kleine Anpassungen beschlossen
Wie in jedem Jahr stand auch jetzt wieder das Thema Leistungsprüfung der Reitpferdehengste auf der Tagesordnung. Nach der jüngst erst verabschiedeten Umstellung auf ein Wertungspunktesystem für die endgültige Eintragung ins Hengstbuch I waren es nur kleinere, vorwiegend redaktionelle Änderungen ab 2027, die der Beirat Zucht diesbezüglich in der Zuchtverbandsordnung vornahm. Dazu gehört beispielsweise die Einführung einer Mindestleistung bei der Bepunktung der Teilnahme am Bundeschampionat der dreijährigen Hengste. Da es ab diesem Jahr bei den Al Shira’aa Bundeschampionaten nur noch eine Prüfung für Dreijährige geben wird, müssen die Reitpferdehengste hier nun mindestens eine 7,5 als Endnote erreichen, um 5 HLP-Punkte angerechnet zu bekommen. Interessant für Halter von Springhengsten: Ab diesem Jahr werden Clear-Round-Springen über 1,20 Meter für fünfjährige Hengste nicht mehr von der Bepunktung ausgeschlossen, da es international nur noch solche Springen für diese Altersklasse gibt.

Bekanntmachung von Gentest-Ergebnissen durch die Zuchtverbände
Die aktuelle Forschung rund um genetische Anomalien bei Pferden bringt immer neue Erkenntnisse bezüglich Erbkrankheiten, Fellfarben, Leistungsmerkmalen und Morphologie hervor. Bislang wurden Ergebnisse bestimmter Gentests auf der Pferdesport Deutschland-Homepage veröffentlicht. Künftig gilt über alle Pony-, Kleinpferde- und sonstige Rassen hinweg, dass die verpflichtenden Testergebnisse im Hengstverteilungsplan des jeweiligen Zuchtverbandes veröffentlicht werden.

Augenuntersuchung von Hengsten mit Silberfarbe durch Tierarzt
Bei den Rassen Deutsches Classic Pony, Deutsches Part Bred Shetland Pony, Shetland Pony, Islandpferd und Silver Dapple, Highland Pony gilt, dass neu einzutragende Hengste, die die Silberfarbe vorweisen (mindestens eine Kopie des Silberallels; n/Z oder Z/Z), vor Eintragung in das Hengstbuch eine Untersuchung der Augen durch einen Tierarzt nachweisen müssen. Dies muss künftig nicht zwingend ein Fachtierarzt für Pferde sein. Bei einem Verdacht des Vorliegens von Multiple Angeborene Okularer Anomalie (MCOA) jedoch, muss eine Nachuntersuchung durch einen Fachtierarzt für Pferde – Zusatzbezeichnung Augenheilkunde Pferd – erfolgen. Liegt ein Fall von multipler angeborene Okulare Anomalie (MCOA) vor, kann der Hengst nur in den Anhang eingetragen werden.

Deutsche Reitponys: Turniersportprüfungen in HLP-Punktekatalog aufgenommen
Änderungen gibt es auch bei der Hengstleistungsprüfung von Deutschen Reitponys. Wie seit 2025 bei den Reitpferden gilt bei den Ponys die Zehn-Punkte-Regel für den endgültigen Eintrag ins Hengstbuch I eines Zuchtverbands. Neu in den Punktekatalog aufgenommen wurde jetzt die Möglichkeit, sich im Turniersport zu bewähren. Jeweils zwei Punkte bringen eine registrierte Platzierung an erster bis dritter Stelle in einer Dressur- oder Dressurpferdeprüfung Klasse L, einer Spring- oder Springpferdeprüfung Klasse L, einer Vielseitigkeitsprüfung Klasse A oder einer Fahrprüfung Klasse M (Einspänner, kombinierte Prüfung) und/oder eine registrierte Platzierung an beliebiger Position in jeweils einer höheren Klasse. Künftig reicht außerdem der Start bei Europameisterschaften in Dressur, Springen, Vielseitigkeit oder Fahren oder bei Weltmeisterschaften im Fahren aus, um zehn Punkte und damit die endgültige Eintragung ins Hengstbuch I zu erlangen. Bislang war hier eine Platzierung notwendig. Da es ab diesem Jahr bei den Al Shira’aa Bundeschampionaten auch bei den Ponys nur noch eine Prüfung für Dreijährige gibt, gilt hier wie bei den Reitpferden eine Mindestnote von 7,5, um HLP-Punkte zu sammeln. Ebenfalls werden Platzierungen in Clear-Round Springen als Platzierung für die Anrechnungen von Leistungspunkten zur HLP anerkannt.

Freies Vorstellen in Leistungsprüfungen
Über alle Pony- und Kleinpferderassen hinweg gilt, dass zukünftig bei einer Leistungsprüfung die Bewertung der Grundgangarten sowie der Rittigkeit an keine vorgegebene Dressuraufgabe gebunden ist, sondern die Pferde in Anlehnung an diese Aufgabe frei vorgestellt werden können.

Weitere Anpassungen im Bereich Ponys, Kleinpferde und sonstige Rassen in der ZVO betreffen die Rassen Curly Horse, Highland Pony, Pinto, Kleines Reitpferd, Palomino, Missouri Foxtrotter, Cruzado Iberico, Paso Iberico Americano und Karabagh.

Sachstandsberichte
Der Beirat Zucht fasste aber nicht nur Beschlüsse, sondern wurde auch über Sachstände zu aktuellen Themen informiert. So konnte unter anderem Geschäftsführer Dr. Klaus Miesner ganz aktuell berichten, dass Pferdesport Deutschland gerade ein Termin mit dem Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer in Aussicht gestellt wurde, um sich mit ihm über die Evaluierung der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) auszutauschen. Diese Terminanfrage sei das Ergebnis eines Briefes, den Pferdesport Deutschland gemeinsam mit dem Deutschen Galopp und dem Hauptverband für Traberzucht an das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat gerichtet hatte, so Dr. Miesner.

Über den aktuellen Stand der Novellierung der EU-Tierschutztransportverordnung informierte Dr. Henrike Lagershausen, Teamleiterin Veterinärmedizin und Tierschutz. Die gute Nachricht ist, dass für Sport- und Freizeitpferde eine praktikable Ausnahmeregelung in den bisherigen Entwürfen vorgesehen ist. Darin nicht explizit eingeschlossen sind allerdings Transporte von Zuchtpferden. Pferdesport Deutschland setzt sich daher intensiv in Abstimmung mit anderen nationalen und internationalen Verbänden sowie in engem Austausch mit der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tierzüchter (ADT) für eine Ergänzung der Zuchtpferde in der Ausnahmeregelung ein. „Wir sind der Ansicht, dass das Eigeninteresse, die Pferde in bester Verfassung an den Bestimmungsort zu bringen, bei Zuchtpferden genauso groß ist wie bei Sport- und Freizeitpferden“, sagte Dr. Lagershausen.

Zuletzt wurde im Beirat Zucht auch über das Thema Bundesschauen informiert. Referent Zucht Marco Petzsch berichtete, dass die Zukunft der Schauen in Berlin aus seuchenrechtlichen Gründen in Frage gestellt sei und daher weitere Veranstaltungsorte gesucht würden. Betroffen davon sind Schauen der Rassen Kaltblut, Reit- und Robustponys sowie Haflinger und Edelbluthaflinger. Aus personellen und finanziellen Gründen werde dabei generell auch über eine Zusammenlegung von Stuten- und Hengstschauen der jeweiligen Rassetypen nachgedacht, so Petzsch. Pferdesport Deutschland/Hb


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