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WM Aachen: Bronze für Isabell Werth und Wendy in der Kür

16Aug.26
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Raphael Netz und Great Escape Camelot werden Achte

Bronze für Isabell Werth und Wendy: Die Rekord-Dressurreiterin und ihre Rappstute rocken das Stadion bei den Weltmeisterschaften in Aachen, riskieren viel und gewinnen Bronze. Raphael Netz und Great Escape Camelot wachsen über sich hinaus und werden überraschend Achte in einem Weltklasse-Starterfeld. Den WM-Titel in der Grand Prix Kür verteidigte die Britin Charlotte Fry mit Glamourdale mit 91,907 Prozent vor der Dänin Cathrine Laudrup-Dufour mit ihrer Hannoveraner Stute Mount St. John Freestyle und 91,236 Prozent.

Nach WM-Gold mit dem deutschen Dressur-Team nun Bronze für Isabell Werth in der Kür. Die Rekordreiterin darf bei der Heim-WM in Aachen somit nicht nur ihre zehnte Goldmedaille, sondern auch ihre vierte Bronzemedaille bei Weltmeisterschaften feiern. Die 57-Jährige ist nun acht Weltmeisterschaften mit sechs verschiedenen Pferden geritten.

Kür-Erfolg mit Wendy zu den Kür-Klängen aus Paris

Wie bei den Olympischen Spielen in Paris ritten Isabell Werth und Wendy de Fontaine zur Musik rund um den Hit „Mandy“ von Barry Manilow umgetextet auf „Wendy“. Am Ende ihrer Kür klatschte das Publikum zur letzten Piaff-Piroutte schon im Takt mit. Die letzten Sekunden ritt sie einhändig auf die Richter zu und genoß sichtlich den Moment mit ihrer Wendy de Fontaine. Mit 88,650 Prozentpunkten und nur einem hachdünnen Vorsprung vor dem Belgier und amtierenden Europmeister Justin Verboomen und seinem Hengst Zonik Plus, der zu 88,439 Prozent trabte, holte sie Bronze. „Wendy war so fantastisch! Ich kannte die Punkte der anderen und habe mich entschieden, volles Risiko zu gehen. Das war die einzige Chance auf eine Medaille. Und besonders am Ende war es so unglaublich, sie war so bei mir“, lobte sie ihre Rappstute. Aus der heutige Kür nimmt sie vor allem eines mit: „Ich habe die Galopptour heute deutlich mehr im Vorwärts angelegt. Das hat sich richtig angefühlt und da ich mit der zwölf Jahre alten Wendy noch ein junges Pferd habe, können wir darauf weiter aufbauen.“

Charlotte Fry verteidigt WM-Titel

Weltmeister in der Kür ist wie vor vier Jahren bei der WM in Herning: Die Britin Charlotte Fry mit dem imposanten Rapphengst Glamourdale. Die beiden hatten sich auch schon im Special an die Spitze gesetzt. Mit einer Kür mit dem Motto „Glamourdale Airlines“, bei der schon zur ersten Grußaufstellung gesagt wurde „Enjoy jour Flight“ flogen die beiden durch das Viereck. Die Stärken des Hengstes, unter anderem der starke Galopp, wurden von Fry in Szene gesetzt. 91,907 Prozent bedeuteten den Sieg. Ganz knapp dran war die Dänin Cathrine Laudrup-Dufour mit Mount St John Freestyle, die im Special schon Silber mit der Hannoveraner Stute gewonnen hatten. Sie zeigten eine Kür ohne Fehler, präzise gerittten mit besonderen Momenten wie ein Angaloppieren aus der Piaff-Piroute heraus. Am Ende gaben die Richter ihr 91,236 Prozent. „Heute freue ich mich, dass ich Silber gewonnen habe. Gestern hatte ich eher das Gefühl aufgrund meiner Fehler Gold verloren habe“, erklärte Cathrine Laudrup-Dufour. „Das war unheimlich spannend“, sagte auch Bundestrainerin Monica Theodorescu. „Ich habe wirklich gehofft, dass Isabell es auf’s Treppchen schafft und sie hat es mal wieder geschafft. Ganz toll.“

„Die Kür war wie fliegen“

Raphael Netz und sein 15-jähriger Wallach Great Escape Camelot hatten schon im Grand Prix Special ihre persönlichen Bestleistung übertroffen, auch in der Kür wuchsen sie über sich hinaus. Auf der Schlusslinie klatschte das Publik schon mit. Zur Filmmusik von „Drachenzähmen leicht gemacht“ zeigten die beiden eine Kür mit vielen Höhepunkten und ganz feinem Reiten. Obwohl sich Camelot auch einmal kurz erschreckte und einen kleinen Satz zur Seite machte, war er sofort wieder bei seinem Reiter und zeigte fehlerfreie Einerwechsel. Wahrscheinlich die beste Kür, die die beiden je geritten sind, die wieder in einer persönlichen Bestleistung endete: 80,946 Prozentpunkte gab es von den Richtern. Der Jubel im voll besetzten Aachener Stadion, bei untergehender Abendsonne, war groß und auch Raphael nutzte den Weg aus dem Hauptstadion, um immer wieder zu jubeln und sein Pferd und sich feiern zu lassen.

„Die Kür war wie fliegen“, sagte Raphael Netz nach seinem Ritt. „Ich habe wirklich von Anfang bis Ende jede Sekunde genießen können. Camelot war zu 120 Prozent bei mir, es gab einen kleinen Moment, wo die Kamera sich bewegt hat, wo er einmal ganz kurz gucken musste und das ist auch vollkommen in Ordnung. Er hat einfach wieder alles gegeben für mich. Ich frage mich jedes Mal wieder, wo er das alles her nimmt, aber es war einfach ein fantastisches Gefühl“, schwärmte Raphael Netz von seinem Pferd. „Wir haben die letzte Piaffe zelebriert und ich bin auf der letzten Mittellinie einhändig geritten. Es hat sich einfach richtig angefühlt und die Leute sind mit eingestiegen und es war einfach geil“, lachte er. Für den 27-Jährigen ist es seine erste Weltmeisterschaft im „Senioren-Bereich“, zuvor hat er vier Mal an U25-Europameisterschaften teilgenommen und zuletzt 2022 drei mal Gold bei der U25-EM gewonnen.

Wie besonders es für ihn ist, in Aachen zu reiten, beschreibt Raphael Netz so: „Das ist meine erste Weltmeisterschaft, sondern es ist auch eine Weltmeisterschaft in Aachen als deutscher Reiter. Die Faktoren multiplizieren sich, ein Event wie dieses sucht wirklich seinesgleichen. Ich hoffe natürlich, dass ich in meinem Leben noch mal eine Weltmeisterschaft reiten kann, aber ich glaube, das wird sehr schwer zu toppen hier.“

Frederic Wandres mit „kleinen Fehlerteufeln“

Auch Frederic Wandres schwärmte von der Atmosphäre: „Unbeschreiblich, nicht zu toppen“, sagte er. „Ich habe jetzt auch schon einige Turniere reiten dürfen, auch Paris und andere internationale Turniere auf der ganzen Welt. Also, dieses Gefühl dort einzureiten sucht seinesgleichen. Die Zuschauer, die Atmosphäre, die leichte Dämmerung, das Wetter ist toll, die Leute sind gut drauf: Es gibt nichts Besseres bisher in meiner reiterlichen Karriere.“ Frederic Wandres und Bluetooth OLD machten den Auftakt für Deutschland in der Kür. Im voll besetzten Aachener Stadion wurde das Paar aus Hagen a.T.W. schon mit großem Jubel begrüßt. Der Chefbereiter vom Hof Kasselmann und sein 16-jähriger Oldenburger Bluetooth OLD von Bordeaux-Riccione zeigten in der Aachener Abendsonne eine Kür mit Liebesliedern – zu Beginn und am Ende mit dem Klassiker „All you need is love“ der Beatles. Auf der letzten Linie klatschte das Publikum begeistert mit. Es war eine Kür auf hohem Niveau mit vielen tollen Momenten, leider unterliefen den beiden aber auch kleinere Fehler, ebenfalls in den Wechseln. Die Richter gaben für die Vorstellung 76,246 Prozentpunkten – Platz 15 am Ende.

„Ich hatte jetzt ‚leider‘ oder zum Glück, je nachdem, wie man das sehen will, am ersten Tag keinen Fehler. Was ja super wichtig war und was für die Mannschaft in Gold geendet ist. Ich hatte dann am zweiten und dritten Tag kleine Fehler drin. Das ist jetzt so, das müssen wir so akzeptieren. Es ist ja nicht so, dass wir ein grundlegendes Problem haben mit irgendwas“, sagte Frederic Wandres nach seinem Ritt. „Ich hatte während des Ritts ein Grinsen im Gesicht und dachte, komm, jetzt genieß es doch einfach mal. Wir müssen uns jetzt auch nichts vormachen. Ich bin da nicht reingeritten, um um die Einzelmedaille zu reiten. Wir hatten ein super Turnier. Und nun fahren wir nach Hause als Mannschaftsweltmeister.“


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