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Tipps für heiße Temperaturen
23.06.2026
Turnierbesuch bei Hitze?
Es ist heiß in Deutschland. Die gute Nachricht für Reiter und Pferdebesitzer: Pferde stecken trockene Hitze in der Regel besser weg als der Mensch. Dennoch sollte man speziell für den Turnierbesuch einige Vorkehrungen treffen, um das Wohlergehen des Pferdes auch bei hohen Temperaturen sicherzustellen. Dr. Henrike Lagershausen, Leitung Team Veterinärmedizin und Tierschutz, verrät, worauf Reiter und Reiterinnen besonders achten sollten.
Ab wann wird Hitze auch für Pferde unangenehm?
Dr. Henrike Lagershausen: „Während die meisten Pferde trockene Hitze gut vertragen, macht ihnen schwüle Hitze auch zu schaffen. Die Verdunstung des Schweißes ist dann eingeschränkt und somit die Kühlfunktion des Pferdekörpers beeinträchtigt. Das gilt speziell für ältere Pferde. An sehr heißen und vor allem schwülen Tagen sollte man daher die abgefragte Leistung immer an die besonderen Gegebenheiten und die individuelle Verfassung des Pferdes anpassen.“
Die Turniere haben jetzt Hochsaison. Worauf muss ich achten, damit mein Pferd den Turnierbesuch unbeschadet übersteht?
Dr. Henrike Lagershausen: „Wichtig ist es, bereits beim Transport einiges zu berücksichtigen. Vor allem muss ich auf die ausreichende Belüftung des Anhängers über die Fenster achten. Die Plane oberhalb der Anhängerklappe muss geöffnet bleiben und das Klima und die Temperatur im Anhänger sollten engmaschig kontrolliert werden. Generell sollte die Zeit auf dem Anhänger so kurz wie möglich sein. Und natürlich muss man bedenken, dass sich unter Transportgamaschen die Wärme staut. Wenn das Pferd sie unbedingt benötigt, sollten sie nach dem Transport sofort abgenommen werden. Auch unter engmaschigen Fliegendecken kann es sehr warm werden. Das heißt: So wenig Ausrüstung wie möglich ans Pferd.“
Was kann ich auf dem Turnier sonst noch tun?
Dr. Henrike Lagershausen: „Wenn der Veranstalter Boxen zur Verfügung stellen kann, sollten diese genutzt werden. Ansonsten sollte ich nach Möglichkeit im Schatten parken und das Pferd regelmäßig abladen, um es während der Wartezeiten im Schatten zu führen oder grasen zu lassen. Außerdem wichtig ist regelmäßiges Tränken. Manche Pferde mögen kein fremdes Wasser, da hilft es, einen Kanister von zuhause mitzunehmen. Oder man versucht es mit einem Schuss Apfelsaft. Das sollte man aber vorher zuhause testen. Hilfreich ist es auch, das Pferd zwischendurch zur Erfrischung abzuduschen. Im Grunde sind die Regeln ähnlich wie für uns Menschen: viel trinken, sich im Schatten aufhalten und sich gründlich eincremen. Auch Pferde können einen Sonnenbrand erleiden. Besonders empfindlich sind Pferde mit viel weiß im Gesicht. Der wenig behaarte Bereich um die Nüstern sollte daher mit Sonnencreme geschützt werden.“
Sollte ich überhaupt starten?
Dr. Henrike Lagershausen: „Das ist immer eine individuelle Entscheidung, die von dem jeweiligen Pferd und den äußeren Umständen abhängig ist. Auf jeden Fall benötigen die Pferde bei hohen Temperaturen weniger Zeit zum Aufwärmen. Die Vorbereitung des Pferdes auf die Prüfung sollte der Temperatur entsprechend angepasst sein. Und Schrittpausen nicht vergessen! Der Pferdesportler kennt sein Pferd am besten und muss eigenverantwortlich einschätzen, ob sein Pferd vor dem Hintergrund des Trainingszustands den Anforderungen an dem Prüfungstag gewachsen ist.“
Woran erkenne ich, dass mein Pferd überhitzt ist?
Dr. Henrike Lagershausen: „Wenn ich die bereits genannten Dinge beachte und die geforderte Leistung an die Witterung anpasse, überhitzt das Pferd nicht so, dass es gefährlich wird. Eine erfrischende Dusche im Anschluss reicht aus, um das Pferd wieder abzukühlen.“
Wann wird es gefährlich für mein Pferd?
Dr. Henrike Lagershausen: „Ein gefährlich überhitztes Pferd erkenne ich daran, dass es am gesamten Körper in Strömen schwitzt, sich bei Berührung sehr heiß anfühlt und die Blutgefäße unter der Haut deutlich sichtbar sind. Die Körpertemperatur steigt über 40°C. Zeigt das Pferd ein apathisches Verhalten oder gar Schwanken, sollte umgehend der Tierarzt gerufen werden. Erste Maßnahme ist dann ein schnelles Runterkühlen der Temperatur des Pferdes, um einen Kollaps und Verletzungen zu verhindern. Das gelingt am besten, wenn das Pferd am ganzen Körper von beiden Seiten eimerweise mit kaltem Wasser übergossen wird und dies über eine längere Zeit fortgeführt wird, bis das Pferd sich deutlich kühler anfühlt. Im Normalfall beginnt man beim Abduschen mit den Beinen, im Falle einer solchen Überhitzung hat aber das schnelle Runterkühlen absolute Priorität. Dieser Zustand ist jedoch ein extremer Ausnahmefall, der bei gesunden und für ihre Aufgaben trainierten Pferden, die korrekt versorgt werden, nicht vorkommt.“
Was können Veranstalter zusätzlich tun, um es den Pferden auch bei hohen Temperaturen so angenehm wie möglich zu machen?
Dr. Henrike Lagershausen: „Veranstalter können bei hohen Temperaturen zusätzliche Maßnahmen ergreifen, um die Belastung für die Pferde zu reduzieren. Dazu gehört, Prüfungen möglichst in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden zu verlegen. Zudem können Veranstalter auf Siegerehrungen verzichten beziehungsweise Ausnahmen zulassen und Dispens erteilen, damit die Verweildauer auf dem Turnier reduziert wird. Je nach Situation ist es außerdem möglich, die Anforderungen in einzelnen Prüfungen anzupassen, also zum Beispiel Strecken zu verkürzen. Wichtig ist außerdem, dass den Turnierteilnehmern ausreichend Wasserstellen und Waschmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden. Statt auf dem Anhänger sollten Pferde, falls möglich, in Boxen untergebracht werden.“
Wann sollten Veranstalter ein Turnier besser absagen?
Dr. Henrike Lagershausen: „Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Dies ist abhängig von den angebotenen Prüfungen, der Zeiteinteilung, den Gegebenheiten vor Ort und der Möglichkeit, Anpassungen – wie beispielsweise zusätzlicher Wasserstellen oder die Verlegung von Prüfungen in die frühen Morgen- und/oder Abendstunden – zu realisieren. Das heißt, jeder Veranstalter muss das für seine Situation abwägen. Wie belastend Hitze sowohl für die Pferde aber auch die Menschen ist, hängt bei weitem nicht allein von der Temperatur ab, sondern auch von Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit, Sonnenwinkel und direkter Wärmestrahlung. Aus diesem Grund wird an Stelle der alleinigen Temperaturmessung mittlerweile der WBGT-Index (Wet Bulb Globe Teperature) zur Einschätzung der Hitzebelastung verwendet. Der WBGT- Index kann auch Veranstalter bei der Entscheidung bzgl. möglicher Anpassungen unterstützen.“
Gibt es Vorgaben in der LPO?
Dr. Henrike Lagershausen: „Die LPO gibt hierzu keine konkreten Vorgaben. Es müssen die Voraussetzungen für eine tierschutzgerechte Durchführung der Veranstaltung geschaffen werden können.“
Alle Tipps hat das Team Veterinärmedizin und Tierschutz auch in einem Merkblatt „Umgang mit Hitze bei Turnieren und Veranstaltungen“ zusammengestellt. Pferdesport Deutschland
Merkblatt Umgang mit Hitze und Transport und VeranstaltungenAlle News