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Marbach: Deutsches Vielseitigkeitsteam gewinnt Nationenpreis
18.05.2026
Libussa Lübbeke gewinnt Sonderwertung im U25-Förderpreis
Mit einem Sieg für das deutsche Vielseitigkeitsteam um Equipechefin Dr. Annette Wyrwoll endete die Nationenpreis-Premiere in Marbach auf der Schwäbischen Alb. Mit nur 98,8 Minuspunkten verwiesen Michael Jung mit fischerChipmunk FRH, Julia Krajewski mit Tullabeg Platinum, Libussa Lübbeke mit Caramia FRH und Ben Leuwer mit Zuccini MN mit riesigem Abstand die Teams aus Belgien (123,3 Minuspunkte) und Schweden (130,8 Minuspunkte) auf die Plätze.
Erstmals war das Haupt- und Landgestüt Marbach Ausrichter dieses sportlichen Highlights – in Vertretung für Aachen, wo seit 2007 regelmäßig der Nationenpreis ausgetragen wird und in diesem Jahr die Weltmeisterschaften stattfinden. Vom Fleck weg gab das deutsche Team in der Vier-Sterne-Prüfung den Ton an und ließ den übrigen fünf Mannschaften keine Chance. „Wir freuen uns natürlich riesig. Das war aber auch eine starke Mannschaftsleistung. Wir haben von Anfang an einen guten Vorsprung gehabt“, sagte Bundestrainer Peter Thomsen. „Wir hatten sowohl Routiniers als auch weniger erfahrene Reiter und Pferde dabei. Die Pferde sahen super trainiert und fit aus und unsere Reiter haben es bis zum Ende durchgezogen.“
Maßgeblich beteiligt und am Ende auch in der Einzelwertung unschlagbar war der dreimalige Olympiasieger und Lokalmatador Michael Jung. Mit seinem 18-jährigen Hannoveraner fischerChipmunk FRH setzte er sich mit nur 21,2 Minuspunkten bereits in der Dressur so weit vom übrigen Feld ab, dass er sich im Gelände etwas Zeit lassen konnte und im abschließenden Parcours sogar noch einen Abwurf „gut“ hatte. Das war allerdings gar nicht nötig. Als eines von nur sechs Paaren blieben Jung und Chipmunk im Springen fehlerfrei und beendeten die Prüfung mit 28,0 Minuspunkten mit Abstand auf Platz eins.
Zu den „Nullern“ im Springen zählten auch Julia Krajewski, Olympiasiegerin von Tokio, und ihr zwölfjähriger Tullabeg Platinum. Die beiden waren nach Dressur noch Neunte (30,9) und konnten sich mit einer schnellen Geländerunde bereits auf den vierten Rang vorarbeiten. Im Parcours profitierte Krajewski dann von der großen Springqualität des dunkelbraunen Iren, ebenso wie von den Fehlern von Lara de Liedekerke-Meier (Belgien) mit Kiarado d‘Arville und Lea Siegl (Österrrech) mit van Helsing P, die ihr den Weg zu Platz zwei ebneten. Ihr Endstand: 30,9 Minuspunkte. Tullabeg Platinum steht seit Ende 2024 im Stall von Krajewski, zuvor war wer mit Jan Mathias am Start. „Wir haben das letzte Jahr genutzt, um uns zusammenzufinden und haben dressurmäßig viel gearbeitet. Jetzt ist er zwölf Jahre alt und macht sich in dieser Saison bisher sehr vielversprechend“, sagte Krajewski. „Marbach war nun auch so ein bisschen ein Test, wo wir stehen. Ich finde, das hat er sehr souverän gemacht, er hat sich sehr gut angefühlt, alles echt angepackt. Es scheint, als hätte er nun den nächsten Schritt gemacht.“
Den Auftakt fürs deutsche Team und in der Prüfung insgesamt machten Libussa Lübbeke und Caramia FRH. Trotz ihrer erst 25 Jahre ging die Mannschaftseuropameisterin als Marbach-Kennerin locker mit dem Start im Nationenpreisteam um. „Es ist natürlich eine Teamwertung, das heißt, man bespricht noch mal mehr mit dem Team, gibt Informationen aus dem Gelände weiter, gerade weil ich jetzt erster Reiter war. Man hat natürlich schon diesen Teamgedanken, aber das Turnier an sich ist so schön wie immer“, sagte sie. Das Paar erzielte als erster Starter auf dem Viereck 29,1 Minuspunkte und war als Pathfinder im Gelände nur zwölf Sekunden zu langsam. Im Parcours kam ein Fehler am vorletzten Sprung hinzu. Endstand: 37,9, Platz sieben.
Als Beinahe-Neuling in einem deutschen Nationenpreisteam ging Ben Leuwer an den Start. „Ich bin schon einmal in einer Boekelo-Mannschaft geritten, aber das ist zehn Jahre her“, erinnert sich der 34-jährige Rheinländer, der damals noch bei Dirk Schrade in Holstein angestellt war. Nun wurde er gemeinsam mit dem erst neunjährigen Holsteiner Zuccini MN wieder in ein Team berufen. „Ich sehe das auch als kleine Anerkennung. Irgendwo haben wir offenbar mal Aufmerksamkeit erregt. Diese Position hat man sich ja auch irgendwo verdient, vor allem das Pferd“, freute sich Leuwer, der den Schimmel seit vierjährig selbst ausgebildet hat und schon als Fünfjährigen erfolgreich beim Bundeschampionat präsentierte. In Marbach lagen die beiden in der Dressur mit Julia Krajewski gleichauf (30,9) und hatten zum Abschluss nur einen Flüchtigkeits- und einen Zeitfehler Springen. Im Gelände schlich sich jedoch am ersten Wasserhindernis ein Vorbeiläufer ein. Endstand: 76,1 Minuspunkte. „Am Aussprung haben wir klassisch so einen grünen Moment miteinander gehabt“, sagte Leuwer, er sei aber dennoch „total“ zufrieden mit dem Wochenende.
Bundestrainer höchst zufrieden
Höchst zufrieden war auch der Bundestrainer: „Einige Reiter haben Marbach ja auch als Sichtung genutzt, Julia Krajewski, Michael Jung, Libussa Lübbeke und auch andere. Die haben hier sehr gut performt. Da das Gelände wirklich anspruchsvoll war, kann die Leistung schon sehr positiv bewertet werden. Die haben sich wirklich toll empfohlen“, sagte Thomsen und fand auch lobende Worte für den Veranstalter. „Das war ein mega Turnier. Der Veranstalter hat wirklich perfekte Arbeit geleistet. Die Reiter waren begeistert, es war ein wunderschöner Geländeritt, richtig anspruchsvoll, einen Nationenpreises würdig. Ich glaube, der Vielseitigkeitssport wurde hier wunderbar repräsentiert.“
Das Turnier in Marbach war erste Station der FEI Nationenpreisserie Vielseitigkeit. Die nächsten Stationen sind in Bicton/GBR (27. bis 31. Mai), Strzegom/POL (25. bis 28. Juni), Avenches/SUI (16. bis 19. Juli) und Lignières/FRA (23. bis 27 September) sowie das Finale in Boekelo/NED (1. bis 4. Oktober).
Zehnter Titel für Michael Jung im Berufsreiterchampionat
Seit über 20 Jahren ist die Marbacher Hauptprüfung auch immer Schauplatz des Berufsreiterschampionats Vielseitigkeit. Auch hier stand das deutsche Team, das eher zufällig nur mit Berufsreitern besetzt war, auf dem Treppchen. Führend dabei Michael Jung, der mit seinem Sieg in diesem Jahr seinen zehnten Titel als Berufsreiterchampion abräumte. Silber ging an Julia Krajewski, wie Jung Pferdewirtschaftsmeisterin, der Bronzerang an Libussa Lübbeke, die fast genau vor vier Jahren ihre Prüfung zur Pferdewirtin mit Stensbeck-Auszeichnung abgeschlossen hat. Über Platz vier durfte sich Vorjahres-Championesse Nina Schultes freuen. Sie belegte mit ihrem mittlerweile 19-jähren Grand Prix Iwest Platz zehn in der CCI4-S-Wertung.
Libussa Lübbeke gewinnt Sonderwertung im U25-Förderpreis
Und noch eine Sonderehrung gab es für Libussa Lübbeke. Die 25-Jährige sicherte sich zu alledem auch den Sieg in der Sonderwertung des U25-Förderpreises Vielseitigkeit. Zweiter wurden der 23-jährige Baden-Württemberger Linus Weiss und Astrello, die im letzten Jahr an gleicher Stelle ihr Vier-Sterne-Debüt gaben. In der CCI4-S-Wertung belegten sie in diesem Jahr Platz 16. Mit dem von Prof. Bernd Heicke unterstützten U25-Förderpreis Vielseitigkeit wird seit Jahren Nachwuchsreitern der Weg in den „großen“ Sport geebnet. Beste Beispiele hierfür sind Julia Krajewski wie auch Libussa Lübbeke, die im vergangenen Jahr die Serie gewinnen konnte und im selben Jahr ihre Premiere als Mitglied in einer deutschen EM-Mannschaft feierte. Pferdesport Deutschland/Hb
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