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GOT: Pferdesport Deutschland fordert sofortige Entlastung der Pferdehalter

14Apr.26
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14.04.2026

VerbĂ€nde ĂŒbergeben dringendes Anliegen an Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer

Die Lage im deutschen Pferdesektor spitzt sich dramatisch zu – die Folgen der gestiegenen Tierarztkosten durch die Novelle der GebĂŒhrenordnung fĂŒr TierĂ€rzte (GOT) im Jahr 2022 sind inzwischen ĂŒberall spĂŒrbar. Pferdesport Deutschland, Deutscher Galopp und der Hauptverband fĂŒr Traberzucht haben Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer daher gemeinsam einen Brief ĂŒbermittelt, der den sofortigen Handlungsbedarf herausstellt. Hintergrund ist die laufende Evaluierung der GOT, die aus Sicht der Branche weder umfassend noch realitĂ€tsnah angelegt ist und die Pferdebranche vor erhebliche Probleme stellt.

„Deutschland ist als Pferdeland in eine nie dagewesene Krise geraten. Weitere Anstiege bei den tierĂ€rztlichen GebĂŒhren sind nicht verkraftbar. Ein Abwarten auf die Ergebnisse der nicht allumfassenden Evaluierung ist nicht hinnehmbar“, heißt es in der gemeinsamen ErklĂ€rung. „Eines möchten wir vorwegschicken. TierĂ€rztliche Leistungen mĂŒssen angemessen vergĂŒtet werden. Jedoch ist an vielen Stellen die Grenze der Belastbarkeit erreicht und ĂŒberschritten“, betonen die drei PrĂ€sidenten Prof. Dr. h.c. Martin Richenhagen (Pferdesport Deutschland), Dr. Michael Vesper (Deutscher Galopp) und Peter WeihermĂŒller (Hauptverband fĂŒr Traberzucht) gemeinsam.

Auslöser fĂŒr das gemeinsame Vorgehen ist ein Gruppeninterview im Rahmen der Evaluation, das deutlich machte, wie gravierend die negativen Auswirkungen der GOT-Novelle 2022 auf den Pferdesektor sind. Die Vertreter der AFC Public Services, die die Evaluierung im Auftrag des Bundesministeriums durchfĂŒhren, zeigten sich im GesprĂ€ch sichtbar ĂŒberrascht von Ausmaß und Tiefe der Problematik. FĂŒr die VerbĂ€nde wurde damit unmissverstĂ€ndlich klar: Die derzeitige Evaluierung greift zu kurz, sie untersucht die Folgen fĂŒr Tierhalterinnen und Tierhalter nicht und sie beantwortet nicht die zentrale Frage, wie eine wirtschaftlich tragfĂ€hige tierĂ€rztliche Versorgung fĂŒr alle Beteiligten langfristig gesichert werden kann.

Die PrĂ€sidenten der drei VerbĂ€nde machen deutlich, dass die Probleme weit ĂŒber steigende Behandlungskosten hinausgehen. Die Pferdezucht verzeichnet dramatische RĂŒckgĂ€nge bei den Bedeckungszahlen, Reitschulen schließen in alarmierender HĂ€ufigkeit, und immer mehr Pferdehalter stehen vor der Existenzfrage, ob sie sich ihr Pferd ĂŒberhaupt noch leisten können. Fachleute berichten von zunehmenden wirtschaftlich bedingten EinschlĂ€ferungen und Schlachtungen sowie einer wachsenden Zahl von Tieren, die verzweifelt an Hilfsorganisationen abgegeben werden. Gleichzeitig werden notwendige tierĂ€rztliche Behandlungen hĂ€ufiger aufgeschoben – ein klarer RĂŒckschritt fĂŒr den Tierschutz.

Zudem sehen die VerbĂ€nde den Umstand, dass die TierĂ€rzteschaft selbst zunehmend die Folgen bemerkt. Viele Pferdehalter wenden sich aus KostengrĂŒnden ab, Praxen verlieren Kundschaft.

Die PrĂ€sidenten beschreiben noch eine weitere Entwicklung: Der steigende Anteil von Praxen in Fremdbesitz fĂŒhrt dazu, dass ein großer Teil der finanziellen Last nicht der veterinĂ€rmedizinischen Versorgung, sondern Kapitalgesellschaften zugutekommt. Die Folgen dieser Entwicklung werden in der laufenden Evaluierung jedoch bislang nicht untersucht.

Die drei VerbĂ€nde fordern deshalb eine Erweiterung des Evaluationsauftrags. Nur eine umfassende Analyse könne gewĂ€hrleisten, dass sowohl die Interessen der TierĂ€rzteschaft als auch die derjenigen, die die GebĂŒhren bezahlen mĂŒssen, berĂŒcksichtigt werden – so wie es § 12 der Bundes-TierĂ€rzteordnung auch vorschreibt. Diese Interessen wurden bereits 2022 nicht erhoben; ein erneutes VersĂ€umnis wĂ€re aus Sicht der Branche nicht nur sachlich falsch, sondern politisch unverantwortlich.

Deutschland ist das einzige Land in der EuropĂ€ischen Union, das eine bindende GebĂŒhrenordnung fĂŒr tierĂ€rztliche Leistungen vorschreibt. In anderen Branchen – etwa bei Architekten und Ingenieuren – haben sich in Deutschland unverbindliche Honorarstrukturen lĂ€ngst bewĂ€hrt. „Wir fordern die umgehende Aufhebung der Verbindlichkeit der GebĂŒhrenordnung, um eine sofortige Entlastung der Verbraucher zu erreichen. Unserer Auffassung nach sollte die VergĂŒtung tierĂ€rztlicher Leistungen Abstimmungssache zwischen Pferdehalter und Tierarzt sein“, erklĂ€ren die PrĂ€sidenten und fahren fort: „Die GOT kann bei dabei einen orientierenden, aber nicht verbindlichen Rahmen bieten. So ist es beispielsweise in Österreich geregelt.“

Die PrĂ€sidenten betonen in ihrem Schreiben die enge Verbundenheit der Pferdebranche mit der TierĂ€rzteschaft. Das Ziel sei kein Gegeneinander, sondern ein verlĂ€sslicher Rahmen, der es beiden Seiten ermöglicht, ihrer Verantwortung gegenĂŒber Tier und Mensch gerecht zu werden. Die VerbĂ€nde bieten dem Minister deshalb ein kurzfristiges persönliches GesprĂ€ch an, um die Lage umfassend darzustellen und Lösungsschritte gemeinsam zu erarbeiten. Pferdesport Deutschland/sag


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