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Fachtag: Reiten in der offenen Ganztagsschule – ein inklusives Angebot
02.04.2025
Kompetenzteam Therapeutisches Reiten organisierte Fachtag am 29. März für Vereine und Betriebe
Ab 2026 sollen bundesweit alle Grundschulen ein entsprechendes zeitliches Betreuungsangebot für alle Schüler und Schülerinnen ermöglichen. Die Sozialpädagogin und Schulsozialarbeiterin der Gemeinde Seevetal Sabine von Xylander, Mitglied des Kompetenzteams (KT) Therapeutisches Reiten im PSV Hannover, und der Förderschulrektor a.D. Jens Michael Willmann berichteten über die Entwicklung „ihres Projektes“, dass in der Gemeinde Seevetal erfolgreich unter dem Motto „Schule reitet“ praktiziert wird.
Der Fachtag des KT Therapeutisches Reiten mit dem Thema: „Reiten in der offenen Ganztagsschule – ein inklusives Angebot“ – eine Möglichkeit für Reitvereine, Pferdebetriebe hat am 29. März 2025 in 21217 Meckelfeld im Jugendzentrum Meckziko und im Stall Artzenroth stattgefunden. Dort werden im Rahmen der offenen Ganztagsschule Aktivitäten mit Partnern angeboten, die von den Schülern und Schülerinnen und ihren Familien gewählt werden können, wie z.B. TSV Eintracht Hittfeld, Golfclub Hittfeld und Hegering. Außerdem gibt es sogenannte „Bezahlangebote“ wie Musikschule und „Schule reitet“ mit Sabine von Xylander in der Grundschule Hittfeld.
Wie organisiere ich ein Angebot als Schulveranstaltung?
Um ein Angebot im Rahmen einer Schulveranstaltung zu initiieren bedarf es einer frühzeitigen
Bedarfsanalyse und Projektplanung. Überlegungen und konkrete Absprachen bezüglich der Partner, die für die Durchführung erforderlich sind, müssen im Vorfeld geklärt werden.
- Pädagogen mit pferdefachlicher Kompetenz wie, Sozialpädagogen mit entsprechenden Qualifikationen, Trainer FN, DKThR Ausbildung sind, werden aktiv bzw. eruiert
- Kinder und Eltern, die solch eine Aktivität am Schulnachmittag wünschen
- die Schulleitung als verantwortlicher Träger der Maßnahme
- ein Veranstaltungsort, wie Pferdebetrieb, Stall, Vereinsgelände muss gewonnen werden
- einsatzbereite gesunde Pferde für unterschiedliche Bedarf, hinsichtlich Größe, Temperament, Rasse etc. müssen vorhanden sein (incl. Ausbildung, Beritt, Korrektur)
- versicherungsrechtliche Fragen hinsichtlich des Schülertransportes, Haftpflichtversicherung der Pferde müssen abgeklärt sein.
In dem beschriebenen Projekt waren die Projektentwickler Sabine von Xylander als Schulsozialarbeiterin und Jens Michael Willmann als Schulleiter aktiv. Sabine von Xylander unterhält fünf Ponys unterschiedlicher Rassen, davon werden vier Pferde im Unterricht eingesetzt und das fünfte Pferd befindet sich in Ausbildung. Die Pferde sind in einem Reitstall untergebracht, in Boxenhaltung mit täglichem Auslauf. Das Reitangebot ist eine Schulveranstaltung. Die Schüler und Schülerinnen werden von den Eltern in Fahrgemeinschaften zum Stall gebracht.
- Es werden am Nachmittag drei Gruppen angeboten, je 45 Minuten Reitangebot zuzüglich den Zeiten der Vor-und Nachbereitung. Es können also maximal zwölf Kinder die ganze Zeit da sein.
- Die Gruppen sind so zusammengestellt, dass die Kinder sich auch gegenseitig unterstützen können und sollen. Ältere, bereits erfahrene Kinder führen, begleiten und unterstützen. Die Übungsstundenleitung arbeitet mit den Kindern auf den Pferden und wird ggf. von Azubis unterstützt.
Die Erziehungsberechtigten schließen mit Sabine v. Xylander einen Reitbeteiligungsvertrag, in Höhe von monatlich 50 Euro. Es können Anträge über „Bildung und Teilhabe“ sowie ggf. das „persönliche Budget“ gestellt werden, je nach Bedarfslage der Teilnehmenden. Das heißt, das Fachpersonal muss entsprechend beraten bzw. aktiv werden. Das erfordert ein entsprechendes Engagement, Zeitaufwand und Know-How. Im beschriebenen Fall wurde dies gut gelöst durch die Anstellungssituation von Sabinve von Xylander bei der Gemeinde Seevetal in dem Bereich Schulsozialarbeit.
Erlebnisorientierte Arbeit mit dem Pferd stärkt Selbstwertgefühl
Inhaltlich geht es bei dem Angebot um das Erlernen des adäquaten Umgangs mit dem Herden- und Lauftier Pferd sowie der sportlichen Aktivität des Reitens. Gefördert werden außerdem:
- Aufbau, Förderung und Entwicklung persönlicher Kompetenzen, u. A. Wahrnehmung, Bewegung, Selbstwertgefühl, Selbstwirksamkeit
- sozial-emotionale Kompetenzen, u. A. Kommunikationsfähigkeit, Empathie, Rücksichtnahme, Verantwortung
- kognitive Kompetenzen, u. A. Sprache, Reflexionsfähigkeit
Dieses pädagogische Begleitangebot zeichnet sich besonders durch die Arbeit im Beziehungsdreieck: Pädagoge – Kind – Pferd aus. Dass die Kindesentwicklung durch diese erlebnisorientierte Arbeit intensiv unterstützt werden kann, verdeutlichte Sabine von Xylander mit dem Elternbrief eines Vaters, der den Unterschied zwischen „normalem Reitunterricht“ und diesem „pädagogischen Schulangebot“ beschrieb. Die ganzheitliche Herangehensweise in verantwortlicher Begleitung durch ein individuell angepasstes Angebot für jedes Kind, konnte in dem Fall seines Kindes die Bearbeitung verschiedenster Fragestellungen und Schwierigkeiten (Angst, Trennungsverlust) ermöglichen.
Die vierzehn Teilnehmerinnen und ein Teilnehmer aus niedersächsischen Vereinen, Reitställen, pferdeaffinen, bereits ausgebildeten bzw. sich in Ausbildung befindenden Fachleute, verfolgten die Ausführungen aufmerksam und konnten durch intensives Nachfragen und Austausch für sich und ihre Situation entsprechende Informationen sammeln. Anregungen, die sich je nach Situation vor Ort, den personellen Gegebenheiten, den wirtschaftlichen Voraussetzungen, dem vorhanden Pferdematerial etc. sehr unterschiedlich gestalten.
Netzwerkarbeit ist wichtig
Die Sinnhaftigkeit dieser Arbeit ist deutlich, die Möglichkeit sich damit wirtschaftlich weiterzuentwickeln ist begrenzt. Sie ist ein Puzzleteil, mit dem die Palette eines pferdebezogenen, pferdgestützten Angebotes für einen Verein, Betrieb, einen pädagogisch oder therapeutisch Tätigen ergänzt und erweitert werden kann. Besonders originell war der Veranstaltungsort, das Jugendzentrum Meckziko in Meckelfeld, der Reitstall Artzenroth gegenüber, der die Verflechtungen im Bereich Jugendhilfe – Pädagogik deutlich machte. Das Fazit: Vernetzung – Netzwerkarbeit – einen langen Atem – gesunde Pferde und gute Laune! Gabriele Eickmeyer/ Fotos: v. Xylander
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