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Dritter Parlamentarischer Abend der Pferdeland Niedersachsen: Zu Gast bei der Polizeireiterstaffel Hannover

29Mai26
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Die Pferdeland Niedersachsen GmbH hatte Ende Mai 2026 zu ihrem dritten parlamentarischen Abend Landtagsabgeordnete sowie Vertreter aus Vereinen und Institutionen auf das Gelände der Polizeireiterstaffel Hannover eingeladen, um über aktuelle Herausforderungen der Branche zu diskutieren und Potentiale des Pferdes aufzuzeigen. Etwa 60 Gäste, davon knapp ein Drittel aus dem Landtag, folgten der Einladung und kamen für drei Stunden zusammen.

Dr. Katharina Wiegand (Geschäftsführerin Pferdeland Niedersachsen GmbH) begrüßte die zahlreichen Gäste unter freiem Himmel unter schattigen Kastanien inmitten des historischen Gebäude-Ensembles direkt an den Stallungen der Polizeipferde der Reiterstaffel Hannover: „Im Namen der Pferdeland Niedersachsen GmbH und ihrer sechs Gesellschafter möchte ich mich bedanken, dass sie der Einladung an diesem sehr warmen Tag gefolgt sind. Vor 21 Jahren bündelten die niedersächsischen Reitpferde- und Ponyzuchtverbände ihre Kräfte und gründeten die Pferdeland Niedersachsen GmbH. Für unser niedersächsisches Wappentier ist es gut, weil es eine starke Gemeinschaft von sechs Verbänden hinter sich weiß.“ Als besondere Stärke hob sie das langjährig aufgebaute Netzwerk und die guten Verbindungen zur Politik, dem Niedersächsischen Landgestüt, dem Landvolk, der Landwirtschaftskammer, Vertretern aus der Pferdemedizin, den Hochschulen, Tourismusverbänden und aus der Wirtschaft sowie zum Dachverband für Pferdesport und Zucht „Pferdesport Deutschland“ hervor.

„In dieser starken Gemeinschaft arbeiten wir an Themen, die das Pferd in Niedersachsen, oft im politischen Zusammenhang betreffen. Aktuell sehen wir große Rückgänge in der Pferdezucht. Gestiegene Kosten in der Pferdehaltung und in allen Lebensbereichen, der Wolf als Bedrohung der Weidetierhaltung – all das macht uns zu schaffen. Wir beobachten mit Sorge, dass das Pferd aus der Mitte der Gesellschaft zu verschwinden droht.“ Sie bedankte sich bei Helmut Habermann (Fachbeirat Thema Wolf) für seinen Einsatz und bei Dr. Ludwig Christmann und seinem Team für das Engagement zur Einrichtung einer niedersächsischen „Straße des Pferdes“. Die LEADER Region Aue-Wulbeck hat aktuell beschlossen, dieses Projekt zu fördern. Maßgeblich beteiligt daran ist der Verein Burgdorfer Pferdeland mit seinem Vorsitzenden Barthold Plass.

„Für mich persönlich steht unser niedersächsisches Wappentier, das weiße springende Ross für Kraft, Stolz und Freiheit. Pferde sind einfach ganz besondere Sympathieträger, und unser Bundesland ist ein Pferdeland. Ich komme aus einer Reiterfamilie und liebe diesen Stallgeruch. Es ist einfach eine tolle Location heute Abend. Das Thema Wolf lässt Weidetierhalter seit dem ersten Parlamentarischen Abend vor vier Jahren nicht zur Ruhe kommen. Die Aufnahme des Wolfs Anfang April 2026 ins Bundesjagdrecht und die Möglichkeiten des Wolfsmanagements bieten heute Abend sicher weiteren Gesprächsstoff. Ich bin sehr gespannt auf das neue Projekt „Straße der Pferde“ und finde es großartig, dass es initiiert wurde. Die Einbindung von Pferden in pädagogische Arbeit ist das Schwerpunktthema dieses Abends. Pferde sind ideale Lehrkräfte für Empathie und Einfühlungsvermögen. Sie fördern laut einer Studie von Pferdesport Deutschland positive Charaktereigenschaften“, so Barbara Otte-Kinast (Landtagsvizepräsidentin).

Polizeipräsidentin Gwendolin von der Osten begrüßte die Gäste ebenfalls persönlich und gab einen kurzen Einblick in die Historie der berittenen Polizei: „Wir haben uns mit dem Umbau hier vor allem für die Tiere eingesetzt und achten auf den Tierschutz und die gute Unterbringung unserer 32 Polizeipferde. Das Pferd im Landeswappen spielt eine große Rolle und ist auf jeder Polizeiuniform sichtbar. Es zeigt die Verbundenheit zum Pferdeland Niedersachsen jeden Tag. Die Geschichte der berittenen Polizei in Hannover reicht mehr als 200 Jahre zurück.“

Bildungsfaktor Pferd: „Pferde müssen sichtbar und erlebbar sein in der Gesellschaft“

Passend zum Schwerpunktthema des Abends „Bildungsfaktor Pferd – Kinder durch Pferde stärken“ ging Dr. Wiegand darauf ein, dass das Pferd in der Gesellschaft zunehmend weniger sichtbar und erlebbar ist: „Viele Kinder haben wenig oder keinen Kontakt zu Tieren und zur Natur, da kann das Pferd ein guter Vermittler sein. Ein Ansatzpunkt, um möglichst viele Kinder zu erreichen, ist der Einsatz des Pferdes in Schulen und Kindergärten.“ Sie gab Einblicke in eine aktuelle Umfrage zum Thema, aus welchen Gründen sich Menschen für Pferde in der Bildung einsetzen. Die Ergebnisse seien noch nicht veröffentlicht, es kristallisiere sich aber jetzt schon heraus, dass es viele Potentiale gibt, aber andererseits in der Praxis auch entscheidende Hürden wie Finanzierung, fehlende Transportmöglichkeiten, fehlendes Begleitpersonal und Unsicherheiten bezüglich der Versicherung.

Die Gründe, warum sich Menschen trotz vieler Widrigkeiten dafür einsetzen, dass Kinder Kontakt zu Pferden bekommen, konnten auch Doris Bregen-Meiners (Studiendirektorin und Vorsitzende des RFV Fürstenau, engagiert im Hippocampus Fürstenau) und Angela Friedrichs-Oezdemir (Vorsitzende Reiterverein Hannover), die anschließend die pädagogische Arbeit mit Pferden und Kindern vorstellten, nur unterstreichen: „Kinder lernen Verantwortung, Respekt, Mitgefühl, Geduld und Zuhören. Durch den Kontakt mit Pferden gewinnen sie an Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Wer es schafft, dass so ein großes und schweres Tier einem vertraut, kann durch diese positiven Erfahrungen auch in anderen Lebensbereichen und später im Beruf immens profitieren. Wir sehen im Schul- und Vereinsalltag, was der Umgang mit dem Pferd für Potentiale in den Kindern hervorruft. Stille Kinder werden aktiver, aktive, auffällige Kinder werden ruhiger und entspannter, wenn Pferde anwesend sind. Viele Kinder wachsen über sich hinaus und lernen, zum Beispiel mit Schulangst, Prüfungsdruck und Problemen in der Familie besser umzugehen.“ Davon konnten sich die Gäste bei der Vorführung des Reitervereins Hannover direkt überzeugen. Das Team aus Reitschülerinnen, Ausbilder Matthias Visser sowie zwei vereinseigenen Pferden präsentierte Ausschnitte aus dem Reitunterricht mit Kindern.

Ganztagsschule: Problem für alle Sportvereine

Doris Bregen-Meiners stellte das Projekt des RFV Fürstenau Hippocampus genauer vor. Der Verein kooperiert mit Kitas und Schulen und bietet Lebens- und Berufsorientierung mit Pferden: „Wir pflegen eine intensive Kooperation mit der IGS Fürstenau im Bereich der Schulreit AGs. Hieraus ist das Schulreitportzentrum entstanden. Diese erfolgreiche Kooperation, aus der die Lehrpläne für Reiten in der Oberstufe und Voltigieren als Sportart im Abitur im Rahmen eines einzigartigen Schulversuches in Niedersachsen hervorgingen, wurde in den letzten Jahren neu aufgestellt. Die Bildungseinrichtungen und Kindergärten der Stadt und Samtgemeinde Fürstenau haben sich mit dem Reitverein Fürstenau zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, dem Hippocampus Fürstenau. Kinder mit Pferden stärken von der der Krippe bis zum Abitur, ist das Ziel aller Akteure. Ein zunehmendes Problem, das auf alle Sportvereine zukommt, ist allerdings die Ganztagsschule. In welchem Zeitfenster sollen Reitvereine denn dann noch Möglichkeiten zum Kontakt mit Pferden und Ponys für den Nachwuchs anbieten?“ Hierzu wünschten sie die beiden Vereinsvorsitzenden mehr direkten Austausch mit den für Bildung zuständigen Landespolitikern und kamen direkt nach der Vorführung mit einer Vertreterin des Kultusministeriums ins Gespräch.

Die Agrarpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Niedersachsen, Karin Logemann, war bereits zum dritten Mal Gast beim Parlamentarischen Abend: „Die Vereine haben alle zu kämpfen mit den gestiegenen Kosten, egal ob für Tierarzt, Futter oder Schmied. Dazu kommt das Thema Ganztagsschulen. Deswegen finde ich es sehr wichtig, dass das Thema hier heute aufgegriffen wurde, um Möglichkeiten zu finden, das in Einklang zu bringen. Es gibt Herausforderungen für die Ausbildung der Betreuer, die Organisation des Transports und vieles mehr. Pferde bieten so viele Chancen für Kinder, wie wir hier heute gehört haben. Nicht überall gibt es Stiftungen und Fördervereine, die den Schulsport Reiten unterstützen. Ich bin Verfechterin dafür, dass man es Schulen und Kitas ermöglicht, in den Reitvereinen Kontakt zu Pferden zu bekommen und möchte gerne daran mitwirken, dass wir dazu Lösungen finden.“

Einen unaufgeregten und sehr authentischen Job in Sachen Networking machten schließlich auch die vierbeinigen Stars des Abends – die Polizeipferde der Reiterstaffel Hannover. Sämtliche geladenen Gäste erlagen dem Charme der vierbeinigen Staatsdiener, die cool, freundlich und sanft direkt auf Tuchfühlung mit Abgeordneten des niedersächsischen Landtags, Gesellschaftern der PLN und weiteren Gästen aus Sport, Zucht und Institutionen rund ums Pferd gingen. Diese bekamen außerdem eine exklusive Führung durch die Stallungen mit Christin Petit (Reiterstaffel Hannover) sowie eine Vorführung, in der gezeigt wurde, was die Polizeipferde an Mut, Ausgeglichenheit und vielseitiger Ausbildung im Einsatz mitbringen müssen. Es war der erste Parlamentarische Abend, an dem auch Pferde teilnahmen – aber sicherlich nicht der letzte.

„Der Parlamentarischer Abend war wirklich ein voller Erfolg. Bei bestem Wetter und der traumhaften Kulisse der Polizeireiterstaffel Hannover konnten die Abgeordneten das Thema Pferd hautnah erleben. Durch die Beteiligung des Reitervereins Hannovers hatten wir die Chance, den Abgeordneten die Besonderheit und Bedeutung von Pferden für Kinder und Jugendlichen näher zu bringen“, zog die Geschäftsführerin des Pferdesportverbandes Hannover, Anne Janßen, ihr Fazit.

„Wir bedanken uns ganz herzlich bei Christin Petit für die Mühe und Gastfreundschaft des gesamten Teams der Reiterstaffel Hannover und für die unkomplizierte Abstimmung und gelungene Durchführung unseres Parlamentarischen Abends“, verabschiedete Dr. Katharina Wiegand die Gäste. Fotos (c): Pantel


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