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WM Aachen: Michael Jung und fischerChipmunk sind Weltmeister
17.08.2026
Team-Silber fĂŒr Julia Krajewski, Malin Hansen-Hotopp, Libussa LĂŒbbeke und Michael Jung
Michael Jung hat eine Goldmedaille mehr. In der Aachener Soers krönte sich der dreimalige Einzel-Olympiasieger zum zweiten Mal nach 2010 zum Weltmeister in der Vielseitigkeit. Mit seinem Ergebnis trug er gleichzeitig auch zum Silbergewinn des deutschen Teams hinter GroĂbritannien bei.
Von Beginn an liefen die Weltmeisterschaften in Aachen auf ein enges Rennen zwischen dem britischen und dem deutschen Team hinaus. Zur deutschen Mannschaft gehörten neben Michael Jung auch Julia Krajewski mit Uelzenerâs Nickel, Malin Hansen-Hotopp mit Carlitos Quidditch K und Libussa LĂŒbbeke mit Caramia FRH. Die Briten schickten nahezu ihr komplettes Goldteam von Paris an den Start und ĂŒbernahmen bereits in der Dressur die FĂŒhrung vor Deutschland â zunĂ€chst mit hauchdĂŒnnem Vorsprung, den sie jedoch trotz des Ausscheidens eines Teammitglieds im GelĂ€nde weiter ausbauen konnten. Daran Ă€nderte auch das abschlieĂende Springen trotz zweier AbwĂŒrfe der britischen Reiter nichts, denn auch das deutsche Quartett musste Strafpunkte fĂŒr einen Spring- und einen Zeitfehler hinnehmen. Das bedeutete Gold fĂŒr GroĂbritannien und Silber fĂŒr das deutsche Team um Equipechefin Dr. Annette Wyrwoll. Zu den ersten Gratulanten zĂ€hlte â via Facetime â Bundestrainer Peter Thomsen, der wegen eines Reitunfalls im FrĂŒhsommer nicht selbst vor Ort sein konnte und in Aachen durch GelĂ€ndetrainer Rodolphe Scherer vertreten wurde. Hinter den beiden Spitzenteams lösten sich im Verlauf der WM Neuseeland, Frankreich und die Schweiz auf Platz drei ab. Im Springen machten schlieĂlich die US-Amerikaner das Rennen um Bronze.
Michael Jung unschlagbar
An einem aber kam das britische Trio nicht vorbei: an Michael Jung und seinem mittlerweile 18-jĂ€hrigen fischerChipmunk FRH. Der Reitmeister aus Horb hatte nach der Dressur noch auf Platz drei gelegen, konnte sich aber mit einer schnellen Nullrunde im GelĂ€nde an die Spitze setzen. Ein Fehler im abschlieĂenden Parcours war allerdings nicht drin; gerade einmal einen Zeitfehler konnte er sich leisten, ohne diese Position zu gefĂ€hrden. Und Fehler wurden im Springparcours im groĂen Soerser Hauptstadion reichlich gemacht. Gerade einmal 13 Paaren gelang eine Nullrunde. Darunter war auch Jungs engster Verfolgerin Rosalind Canter mit Lordships Graffalo, Weltmeisterin von 2018 und Doppeleuropameisterin von 2023, die damit als vorletzte Starterin Einzel-Silber schon sicher in der Tasche hatte. Die Spannung im Soerser Stadion war mit HĂ€nden greifbar. Zweimal klapperte es, zweimal ging ein Raunen durch die TribĂŒne auf Michael Jungs Weg zum Titel â am Ende war es geschafft! Kein Fehler, keine Sekunde zu viel: Null und damit Gold â vor Rosalind Canter und ihrer britischen Teamkollegin, Europameisterin Laura Collett mit London.
âEs war unglaublich, die ganze Woche. FischerChipmunk ist einfach unglaublich. Ich hab so viel Respekt vor dem Pferd. Das ist unwahrscheinlich, wie er Dressur gehen kann, wie er Springen gehen kann, wie er Rennen kann im GelĂ€nde, wie er zuhört, wie er die Nerven behĂ€lt, obwohl er auch ein bisschen aufgeregt ist. Er ist so sensibel, er fĂ€ngt sofort ein bisschen an zu schwitzen, ist aber trotzdem super konzentriert und lĂ€sst sich toll reiten. Das ist gigantisch, wie er geht. Ich bin so dankbar, dass ich so ein Pferd reiten kann, das ist unglaublich!â, kam Jung aus dem SchwĂ€rmen nicht heraus.
Michael Jung ist der bisher einzige Vielseitigkeitsreiter, der schon einmal zeitgleich alle drei Titel auf sich vereinigte: Er war Weltmeister (2010), Europameister (2011) und Olympiasieger (2012) mit dem legendĂ€ren Sam. Mit fischerChipmunk FRH ist er nun Weltmeister und Olympiasieger. Allerdings ist der Hannoveraner bereits 18 Jahre alt. âWir haben noch gar keine PlĂ€ne, er wird immer besser, er strotzt vor Kraft, so wie er hier gesprungen ist, vor allem am Anfang vom Parcoursâ, sagte Jung. âIch bin nur am SchwĂ€rmen von diesem Pferd.â
Malin Hansen-Hotopp in den Top Ten
Das zweitbeste Ergebnis fĂŒr Deutschland erzielte Malin Hansen-Hotopp mit ihrem Holsteiner Schimmel Carlitos Quidditch K, die sich im vergangenen Jahr bereits EM-Gold mit dem deutschen Team sichern konnte. Nicht ganz zufrieden mit ihrer Dressur, lieferte die studierte Landwirtin aus Mecklenburg-Vorpommern im GelĂ€nde einmal mehr eine grandiose Leistung ab. AuĂer ein paar wenigen Zeitfehlern kam sie gut ins Ziel. 1,2 Zeitfehler nahm sie auch im Parcours zugunsten einer abwurffreien Runde in Kauf und rĂŒckte dadurch im Endstand in die Top Ten vor: Platz neun.
âSchimmi sprang fantastisch und er fĂŒhlte sich so gut an und sprang durch den Körper, egal wie ich zum Sprung kam, er hat es einfach möglich gemacht. Der gröĂte Dank geht immer an mein Pferd, aber heute ganz besondersâ, sagte eine strahlende Malin Hansen-Hotopp. âWir sind wahnsinnig gut eingespielt und ich reite manchmal sehr gute Springen, manchmal auch normale Springen, und heute war eher so ein mittelmĂ€Ăiger Tag. Aber ich hatte trotzdem immer wieder den Fokus, dass ich, egal was passiert, meinen Plan durchziehe und das hat mit seiner Hilfe heute wahnsinnig gut geklappt. Er sprang heute wirklich besser als je zuvor.â
Einen guten Start hatte in Aachen auch die Deutsche Meisterin Julia Krajewski mit Uelzenerâs Nickel. In der Dressur ĂŒbernahm das Paar zunĂ€chst die FĂŒhrung, mit einem Punkt weniger als Michael Jung. Im GelĂ€nde gelang den beiden eine Bilderbuchrunde, allerdings zĂ€hlt Nickel nicht zu den allerschnellsten Pferden, sodass die beiden im Ranking deutlich zurĂŒckfielen. Im Springen unterlief ihnen am Allianz-Steil noch kurz vor dem Ziel ein Abwurf: Platz 17. âMan ist natĂŒrlich im Springen gerne fehlerfrei. Wir hatten so einen wirklich ganz blöden Netzroller an der Planke nach der Trippelbarre. Das war ein hĂ€ufiger Fehler heute, aber Nickel ist normalerweise ein sehr guter Springer, deswegen Ă€rgert mich das noch so ein kleines bisschen geradeâ, sagte die Olympiasiegerin von Tokio unmittelbar nach ihrem Ritt. âSonst ist er alles sehr, sehr gut gesprungen. Es ist ein langer und anspruchsvoller Parcours â wie schon der Rest der Woche auch, alles sehr weltmeisterschaftswĂŒrdig hier.â
Libussa LĂŒbbeke beweist erneut NervenstĂ€rkeâš
Den Anfang fĂŒrs deutsche Team machte â wie auch bei der EM in Blenheim im vergangenen Jahr â die JĂŒngste des Quartetts, Libussa LĂŒbbeke mit Caramia FRH. Die Warendorfer Sportsoldatin bewies auch in Aachen ihre NervenstĂ€rke: sowohl in der Dressur als auch als Pathfinder im GelĂ€nde. Lediglich eine âMissed Flagâ und Zeitfehler musste sie sich auf dem anspruchsvollen Kurs anrechnen lassen, an dem ĂŒber 20 der zu Beginn 87 Reiter aus 27 Nationen scheiterten. Im Springen klapperte es einige Male, aber nur einmal rollte die Stange aus der Halterung. âEs war spannend, aber Caramia und ich, wir kennen uns so gut, in- und auswendig. Wir wissen, dass das nicht ihre Paradedisziplin ist, man muss einfach der Ruhe vertrauen. Sie braucht unheimlich viel mentale UnterstĂŒtzung und da so eine haltende Hand, die sie da durch den Parcours trĂ€gt. Und das haben wir heute ganz gut hingekriegtâ, sagte sie. âJa, der eine Fehler ist natĂŒrlich am Ende schade, man ist immer gerne Null, aber Caramia hat schon so viel geleistet â mehr als wir uns je ertrĂ€umt hĂ€tten â, also von daher ist das alles super.â
Wahler zwischen GlĂŒck und Pech
GlĂŒck und Pech lagen fĂŒr den deutschen Einzelreiter Christoph Wahler eng beieinander. Auch er startete mit einer Dressur unter 30 Minuspunkten ins GelĂ€nde, wo sein bekannt schneller Hannoveraner DâAccord FRH seinem Ruf gerecht wurde und am schnellsten von allen ins Ziel kam. Damit rĂŒckte er zunĂ€chst auf Platz fĂŒnf hinter Jung und die drei englischen Teamreiter vor, konnte diese Position jedoch im Springen nicht halten. Zwei AbwĂŒrfe und einige Zeitfehler lieĂen ihn auf Platz 16 zurĂŒckfallen. âDass das Springen vielleicht nicht unsere Spezialdisziplin ist, wussten wir vorherâ, sagte er und gab zu: âMan hofft natĂŒrlich immer, dass wir heute einen Sahnetag erwischen, aber ich bin trotzdem wahnsinnig stolz auf DâAccord, der hat das diese Woche unglaublich gemacht.â Pferdesport Deutschland/Hb
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