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Hitzestau unter Bandagen und Gamaschen: Experten raten zu bewusstem Einsatz
02.07.2026
Erhöhte Temperaturen am Pferdebein
Studien zeigen erhöhte Temperaturen am Pferdebein – Fachleute sehen mögliche Risiken für Sehnen und empfehlen einen gezielten statt routinemäßigen Einsatz. Bandagen und Gamaschen gehören für viele Reiterinnen und Reiter zum Alltag.
Doch wissenschaftliche Erkenntnisse lenken den Blick auf einen Aspekt, der nicht nur in den Sommermonaten von Bedeutung ist: die Wärmeentwicklung unter dem Beinschutz. Studien zeigen, dass Bandagen und Gamaschen die Temperatur am Pferdebein erhöhen können und damit die natürliche Wärmeabgabe beeinträchtigen.
„Das Pferdebein ist von Natur aus so gebaut, dass Wärme abgeleitet wird“, sagt die Fachtierärztin für Pferde, Dr. Christine Fuchs von der Tierklinik Lüsche. Überschüssige Wärme wird normalerweise über die Haut an die Umgebung abgegeben. Wird das Bein eingewickelt, kann dieser natürliche Kühlmechanismus eingeschränkt werden.
Signifikante Temperaturerhöhung: Kritisch für Sehnengewebe
Bereits 2014 zeigten Untersuchungen der Veterinärmedizinischen Universität Wien eine signifikante Temperaturerhöhung unter Bandagen und Gamaschen nach Bewegung. Dieser Effekt war unter Bandagen sogar stärker ausgeprägt als unter Gamaschen. Zu ähnlichen Ergebnissen kam eine Studie der Middle Tennessee State University in den USA im Jahr 2021. Dort wurden an gesunden Pferden verschiedene Arten von Beinschutz getestet. Bei allen Varianten lagen die gemessenen Spitzentemperaturen höher als an unbedeckten Beinen. Gleichzeitig deuteten die Ergebnisse darauf hin, dass die für die Kühlung wichtige Luftzirkulation eingeschränkt wird.
Besonders im Fokus stehen dabei die Sehnen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass die oberflächliche Beugesehne bei schneller Bewegung Temperaturen von bis zu 45 Grad Celsius erreichen kann. Wiederholte Hitzeeinwirkungen könnten den Zellstoffwechsel im Sehnengewebe beeinträchtigen und langfristig zu Veränderungen beitragen. Einen direkten Nachweis für Schäden durch Bandagen liefern die Studien zwar nicht, die Autoren sehen jedoch Hinweise darauf, dass erhöhte Temperaturen für das Sehnengewebe kritisch sein könnten.
Beinschutz überdenken
Vor diesem Hintergrund empfehlen Fachleute einen gezielten und zeitlich begrenzten Einsatz von Bandagen und Gamaschen. Sinnvoll sind sie vor allem dort, wo sie tatsächlich vor äußeren Verletzungen schützen – etwa beim Springen, im Gelände oder beim Transport. Wer Bandagen verwendet, sollte sie möglichst erst unmittelbar vor dem Reiten anlegen und nach dem Training zeitnah wieder abnehmen. Zudem sollte korrekt bandagiert werden, vom oberen Bereich des Röhrbeins knapp unterhalb des Karpal- bzw. Sprunggelenks bis um den Fesselkopf herum. Das Kühlen der Beine nach dem Training kann helfen, die gespeicherte Wärme über die Haut abzuleiten.
Niederlande: Bandagen auf Turnieren verboten
Die Diskussion über mögliche Folgen eines Wärmestaus unter Beinschutz hat auch international Aufmerksamkeit erregt. Der niederländische Pferdesportverband KNHS hat Bandagen auf Turnieren bereits verboten und begründete dies unter anderem mit möglichen Auswirkungen auf das Pferdewohl.
Für Pferdehalter gilt daher insbesondere bei hohen Temperaturen: Bandagen und Gamaschen sollten nicht aus Gewohnheit, sondern nur dort eingesetzt werden, wo sie tatsächlich einen Nutzen bieten. Die natürlichen Kühlmechanismen des Pferdebeins verdienen besondere Beachtung – nicht nur in den Sommermonaten.
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