Fragen und Antworten Ausschreibung

Wie liest man eine Ausschreibung?

Zum ersten Turnierstart gibt es viele Fragen. Welche Prüfungen sind auf dem Turnier meiner Wahl ausgeschrieben? Wo finde ich diese Ausschreibungen? Und ganz wichtig – wie lese und übersetze ich so eine Ausschreibung richtig?

Wo bekomme ich die Ausschreibungen für Turniere in meiner Umgebung her?
Die Ausschreibungen stehen in unserer regionalen Pferdefachzeitschrift, dem Reitsport Magazin, auf den sogenannten „gelben“ Seiten, geordnet nach Datum der Veranstaltungen oder bei bestimmten Veranstaltungen wie Cups oder Serien auch auf unserer Internetseite.

LPO oder WBO?
Man unterscheidet zwischen Prüfungs-, beziehungsweise Wettbewerbsformen auf Turnieren. Das sind einmal Wettbewerbe nach der Wettbewerbsordnung für den Breitensport (WBO) und Leistungsprüfungen nach der Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO). Turniereinsteiger starten zuerst auf Turnieren, bei denen Wettbewerbe ausgeschrieben sind. Die Auswahl an Wettbewerben ist groß. Es gibt zum Beispiel spielerische Wettbewerbe (Reiterspiele) und klassische Einsteiger-Wettbewerbe (zum Beispiel die Führzügelklasse oder den Reiterwettbewerb).

LPO 2013: Ganz neu ist die Aufnahme der Leistungsklasse 0 (LK 0) in die LPO. Der alte Spruch – „LK 0 gehört zur WBO, LK 6 zur LPO“ – gilt nicht mehr. Ab 2013 werden in den Disziplinen Dressur, Springen, Vielseitigkeit und Fahren sieben Leistungsklassen unterschieden. Dann wird die Klasse E nur noch in der LPO geregelt, das heißt, sie kann nicht mehr als Wettbewerb gemäß WBO ausgeschrieben werden. In Leistungsprüfungen der Klasse E sind künftig also Teilnehmer der LK 0 und 6 zugelassen (wobei Reiter der LK 0 parallel dazu auch weiterhin an WBO-Wettbewerben teilnehmen dürfen). Voraussetzung für die Teilnahme an einer Leistungsprüfung der Klasse E ist wie für alle LP eine Jahresturnierlizenz. Mit seiner Unterschrift unter dem Antrag erkennt der Teilnehmer die Regeln der LPO an. Die Lizenz ist für Turniereinsteiger der Leistungsklasse 0 kostenlos („Schnupperlizenz“). Ferner erforderlich sind für den Start ein FN-eingetragenes Turnierpferd und die Mitgliedschaft in einem Reitverein. Die Ergebnisse werden wie für alle anderen Leistungsklassen erfasst und Ranglistenpunkte vergeben.

Welche Altersklassen gibt es?
Im Turniersport gibt es vier Altersklassen, für die Prüfungen ausgeschrieben werden:

  • Junioren: Sie werden im laufenden Kalenderjahr höchstens 18 Jahre alt.
  • Junge Reiter/Fahrer: Sie werden im laufenden Kalenderjahr mindestens 19, aber höchstens 21 Jahre alt.
  • Reiter/Fahrer: Sie werden im laufenden Kalenderjahr mindestens 22, aber höchstens 39 Jahre alt.
  • Senioren: Sie werden im laufenden Kalenderjahr mindestens 40 Jahre alt.


Welche Leistungsklassen gibt es?
Es gibt verschiedene Leistungsklassen (LK) für Turnierteilnehmer von 0 bis 6. Für die Teilnahme an den Wettbewerben nach WBO braucht man noch keine Jahresturnierlizenz und hat automatisch die LK 0.  Und auch das Pferd muss nicht speziell als Turnierpferd bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) eingetragen sein. Wer sich ausschließlich für Wettbewerbe nach WBO anmelden möchte, tut das mit einem gültigen Nennungsformular WBO (PDF-Datei zum Download). Neu ist in der LPO 2013 die kostenlose FN-Schnupperlizenz LK 0 für Turniereinsteiger mit der man auch in Leistungsprüfungen (LP) der Klasse E starten kann.

Beispiel: So sieht ein korrekt ausgefülltes Nennungsformular WBO aus. Diese Vorlage erleichtert das Ausfüllen für alle, die noch nicht so oft in WBO-Wettbewerben gestartet sind.

Nennung Online (NeOn)
Das Wort NeOn steht für NennungOnline, die Anmeldung zum Turnier von Pferd und Reiter im Internet. NeOn ist die komfortable Möglichkeit, alles was mit einem Turnier zusammenhängt, papierlos abzuwickeln. Auch Reiter mit Leistungsklasse 0 und nicht bei der FN registrierten Pferden, haben die Möglichkeit, für bestimmte Wettbewerbe (WBO) online zu nennen. Mehr dazu in unserem Infotext "Online Nennen für Einsteiger".

Wer schon weiter fortgeschritten ist, vielleicht sogar den ein oder anderen Wettbewerb der Kl. E erfolgreich gemeistert hat, möchte sich natürlich bald in Leistungsprüfungen der Kl. E nach LPO oder der nächst höheren Klasse mit anderen Teilnehmern messen. Nach der Klasse E kommt die Klasse A (A für Anfangsstufe). Es folgen Kl. L (L für leicht), Kl. M (M für mittel) und Kl. S (S für schwer).

Wer in Leistungsprüfungen (LP), zum Beispiel der Klasse E oder A mit Leistungsklasse 0 oder 6 an den Start gehen möchte, braucht dafür eine Jahresturnierlizenz (Erstantrag Jahresturnierlizenz). Voraussetzung dafür ist der Besitz des Deutschen Reitabzeichens Klasse IV sowie die Mitgliedschaft in einem Reitverein. NEU: In der LK 0 können Turniereinsteiger auch mit der kostenlosen FN-Schnupperlizenz in Leistungsprüfungen der Klasse E starten. Ferner erforderlich sind für den Start ein FN-eingetragenes Turnierpferd und die Mitgliedschaft in einem Reitverein.

Mit der Jahresturnierlizenz wird man als Einsteiger in den jeweiligen Disziplinen in die jeweilige Leistungsklasse 0 oder 6 eingestuft. Mit diesem Ausweis darf man in allen Leistungsprüfungen der Klasse A und weiterhin in allen Klasse E-Prüfungen, beziehungsweise Wettbewerben starten, wenn die Ausschreibung dies zulässt. Danach folgen die Leistungsklassen 5,4,3,2 und 1, in die man mit den entsprechenden Leistungsabzeichen und/oder Turniererfolgen eingestuft wird. Wer die Leistungsklasse 5 beantragen möchte, muss eine sogenannte Lizenzprüfung der jeweiligen Disziplin mit Wertnote 6,0 oder besser absolvieren.
 
Beispiel einer Ausschreibung
Unter „Teilnahmeberechtigt“ steht in der Ausschreibung, ob der eigene Verein auf dem Turnier der Wahl zugelassen ist. Ist das der Fall, kann man unter Beachtung des Nennungsschlusses nennen. Sonst muss der Reiter schauen, ob ein Vermerk mit "Gastreiter/Einzelreiter zugelassen" vorhanden ist. Der Veranstalter gibt telefonisch oder per E-Mail Auskunft, ob man eventuell als Gastreiter zugelassen werden kann.
 
Was bedeuten die Abkürzungen in einer Ausschreibung?

Hier ein Beispiel:

Reitershausen
Pferdeleistungsschau
28. bis 29. März 2010
Veranstalter: Musterverein Reitershausen


Nennungsschluss: 21.2.2010
Das ist der letzte Tag, an dem die Nennung an folgende Adresse geschickt wird:

Nennungen an:
Petra Mustermann
Pferdehof 100
22222 Reitershausen

Vorläufige ZE (=Zeiteinteilung)
Samstag: 1,3,5,6

Sonntag: 2,4,7,8,9
Dies bedeutet, dass die Prüfungen 1,3,5 und 6 vorläufig am Samstag und die Prüfungen 2,4,7,8,9 vorläufig am Sonntag stattfinden werden.

Meistens folgen dann die Platzverhältnisse (zum Beispiel Abreiteplatz 20 x 40 Meter, Prüfungsplatz 20 x 40 Meter), die Richter und der LK-Beauftragte (das ist die Person, die unter anderen aufpasst, dass alles nach den Bestimmungen der WBO/LPO verläuft).

Und hier als Beispiel eine einzelne Wettbewerbs-Ausschreibung:

1. Zeile: 3. Dressur Reiter WB (E)
2. Zeile: Pferde: 4j.+älter
3. Zeile: Teiln: Alle Alterskl. LK: 0
4. Zeile: Je Teilnehmer 1 Pferd
5. Zeile: Ausr. Gem. WBO Teil IV, L1/L2 Richtv: WBO, gem. WB 31 WBO, nach Weisung der Richter bis zu 4 Pf./Po. in der Bahn
6. Zeile: Einsatz: 5,00 € , VN: 10, SF: E

„Übersetzung“ der Zeilen:

1. Zeile: 3. Dressur Reiter WB (E)
Die 3 ist die Nummer des Wettbewerbs. Hier handelt es sich um einen Dressurreiter-Wettbewerb (WB). Die genauen Anforderungen stehen in der WBO. Das (E) bedeutet, dass der Sieger einen Ehrenpreis erhält.

2. Zeile: Pferde: 4j.+älter
Altersangabe für zugelassene Pferde, bzw. Ponys.

3. Zeile: Teiln: Alle Alterskl. LK: 0
Angabe der Alters- und Leistungsklassen der zugelassenen Teilnehmer.

4. Zeile: Je Teilnehmer 1 Pferd
Jeder Teilnehmer darf nur ein Pferd in diesem Wettbewerb reiten.

5. Zeile: Ausr. gem. WBO Teil IV, L1/L2 Richtv: WBO, In Anl. an Kl. E, nach Weisung der Richter bis zu 4 Pf./Po. in der Bahn
Hier steht, wie Turnierteilnehmer und Pferd gemäß Wettbewerbsordnung (WBO) ausgerüstet sein müssen. Das kann man ganz genau in Teil IV der WBO nachlesen. L1/L2 Richtverfahren: WBO bedeutet die Angabe des Richtverfahrens für den Richter. Es geht dabei um die Anforderungen im Wettbewerb, um Platzierung und Beurteilungskriterien. In diesem Wettbewerb wird nach Weisung der Richter geritten. Es dürfen bis zu vier Pferde oder Ponys in der Bahn sein.

6. Zeile: Einsatz: 5,00 € , VN: 10, SF: E
Der Einsatz von fünf Euro muss per Verrechnungsscheck an den Veranstalter gezahlt werden. VN bedeutet: Verlangte Nennungen. Das sind in diesem Fall mindestens zehn Nennungen. SF bedeutet Startfolge. Die Startfolge richtet sich nach einem Buchstabensystem (Name des Pferdes) des jeweiligen Jahres (hier 2010). Hier gilt die Startfolge E. Dieses System findet man in ebenfalls im Reitsportmagazin abgedruckt oder bei uns im Internet als PDF-Datei: Startfolge.
Zu beachten sind auch die Besonderen Bestimmungen der Landeskommission.

Der Reiter sollte sich unbedingt auch die Allgemeinen Bestimmungen für die Ausschreibungen durchlesen (stehen ebenfalls auf den gelben Seiten). Der Pferdesportverband Hannover wünscht viel Spaß auf dem Turnier. Nennungen können übrigens auch online über Nennung-Online (Neon) erfolgen.

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