Schulsportbeauftragtentagung: Reiten als Schulsport wächst

Warendorf (fn-press). Die Zahl der Schulsportprojekte in Deutschland wächst beständig. Vor allem Idealismus und soziales Engagement sind Beweggründe für Reitvereine und -betriebe, in Kooperation mit einer Schule zu treten. Das ergab eine Auswertung des Pferdesportverbands Westfalen, die jetzt im Rahmen der jährlichen Schulsportbeauftragtentagung in Warendorf präsentiert wurde.

Reiten und Voltigieren als schulisches Angebot – sei es als Arbeitsgemeinschaft, Projekt oder im Rahmen des Förderunterrichts – erfreut sich bundesweit zunehmender Beliebtheit. Das zeigten die Sachstandsberichte aus den Verbandsbereichen. Ein einheitliches Bild gibt es aber nach wie vor nicht, was vor allem mit der Länderhoheit in Sachen Schulpolitik zusammenhängt. So werden die Schulsportbeauftragten mit teilweise ganz unterschiedlichen Situationen konfrontiert. Ein Problem ist allerdings bundesweit einheitlich: die Abhängigkeit der Projekte von den jeweiligen Persönlichkeiten vor Ort, sei es in der Schule oder im Verein.

Das Fehlen oder der Ausfall einer „treibenden Kraft“ gehört daher auch zu den Hauptgründen, die zur Beendigung oder dem Gar-nicht-erst-starten einer Kooperation zwischen Schule und Verein oder Schule und Reitbetrieb führen. Weitere Gründe sind Schwierigkeiten bei der Finanzierung, dem Transport der Kinder zur Reitanlage und Versicherungsfragen. Das ergab eine Befragung von 134 aktiven und ehemals aktiven Vereinen in Westfalen. 118 aktuelle Projekte in Sachen Schulsport konnte Judith Schleicher, Mitarbeiterin des Pferdesportverbands Westfalen, in ihrem Verbandsbereich ermitteln. Die meisten davon betreffen Kooperationen mit Grund- (45) und Förderschulen (41), während beispielsweise Gymnasien mit nur fünf Prozent einen verschwindend geringen Anteil ausmachen. Oberstufenprojekte gibt es gar keine. Als Hauptgrund für die Zusammenarbeit mit Schulen gaben die meisten Befragten soziales Engagement an (30 Prozent). Für mehr als die Hälfte spielt die Mitgliedergewinnung dagegen eine eher untergeordnete Rolle. Tatsächlich schätzt auch nur ein Viertel der Befragten, fünf und mehr neue Mitglieder durch das Schulsport-Engagement gewonnen zu haben.

„Wir haben aber auch gehört, dass die zeitliche Auswirkung der Ganztagsschulen in den Vereinen und Betrieben ‚angekommen’ ist“, sagt Maria Schierhölter-Otte, Leiterin der Abteilung Jugend der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Im Sportentwicklungsbericht, den die FN im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben hat, rangiert das „Ganztagsphänomen“ daher auch weit oben auf der Sorgenliste der Vereine und Betriebe. „Wir werden dieses Problem weiter beobachten. Als Erstes ist jetzt eine bundesweite Auswertung der bisherigen Schulsportaktivitäten geplant." Schierhölter-Otte betont: „Wir werden auf jeden Fall am Schulsport festhalten. Angesichts der demographischen Entwicklung ist es einfach wichtig, die Kinder schon möglichst jung für eine Sportart zu begeistern. Gerade sind unsere Spiel- und Lernmaterialien für Kindergärten fertig geworden, mit denen auch schon bei den Kleinsten das Interesse am Pferd geweckt werden soll. Gleichzeitig müssen wir uns aber auch Strategien überlegen, wie sich einerseits ‚Schulsport-Reiter’ dauerhaft für den Pferdesport gewinnen lassen und wie man andererseits leistungssportliches Reiten und Ganztagsschule unter einen Hut bekommen kann.“
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