DAP-Seminar „Das Schulpferd – Herzstück von Vereinen und Betrieben“

Warendorf (fn-press). Als „spannenden Blumenstrauß an Ideen und Einblicken“ bezeichnete Thies Kaspareit, Leiter der Deutschen Akademie des Pferdes, sichtlich zufrieden die Veranstaltung auf dem Hof Schulze-Niehues in Warendorf-Freckenhorst. Hierhin hatte die Akademie am 23. Mai zu einem Seminar mit dem Thema „Das Schulpferd – Herzstück von Vereinen und Betrieben“ eingeladen.

Der Name war Programm. Und mit Pferdewirtschaftsmeister Ludger Schulze-Niehues, Inhaber und Betreiber der gleichnamigen Reitschule, war der richtige Mann für dieses Thema gefunden. Der Gastgeber bescherte den rund 55 Seminarteilnehmern einen kurzweiligen Abend auf seiner weitläufigen, vielseitigen Reitanlage, gab zahlreiche Tipps und Ideen für den Reitschul-Alltag, machte keinen Hehl um die Tücken des Geschäfts und machte immer wieder deutlich, welch wichtige Rolle doch das Schulpferd spielt.

Das perfekte Lehrpferd – die eierlegende Wollmilchsau
„Den Titel des Seminars haben wir sehr bewusst so gewählt. Denn das Schulpferd hat es verdient, mehr Akzeptanz, Aufmerksamkeit und vor allem ein feineres Image zu bekommen“, sagte Ludger Schulze-Niehues. Denn gerade das Schul- oder Lehrpferd sei ein wichtiges Qualitätsmerkmal eines Reitschulbetriebs – eben das Herzstück. Doch die Ansprüche an ein Schulpferd sind hoch. In seiner Präsentation verglich Schulze-Niehues das perfekte Lehrpferd mit der „eierlegenden Wollmilchsau“: nicht zu groß, aber auch nicht zu klein soll es sein, brav, bequem zu sitzen, aufmerksam aber nicht zu sensibel oder gar schreckhaft, natürlich hübsch und kerngesund, gut ausgebildet und verträglich mit anderen Pferden, „aber kleben darf es nicht“, und nicht zu vergessen, sehr kostengünstig … Wo findet man so etwas? Schulze-Niehues setzt nicht auf die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, er gab den Teilnehmern einen anderen Ansatz mit auf den Weg zu einem passenden Schulpferd: „Man sollte sich erst mal überlegen, welche Zielgruppe man überhaupt erreichen möchte. Und dann: Was können wir bis zu welchem Niveau anbieten?“ Er hält es für sinnvoller, realistische Grenzen im Level zu setzen, dafür aber das Angebot breiter zu fächern, die Besonderheiten und Alleinstellungsmerkmale des Betriebs oder Vereins zu bewerben und vor allem die Aufgaben für die Pferde vielfältiger zu gestalten. Oft habe er die Beobachtungen gemacht, dass über ein Schulpferd gesagt wird, was es alles nicht kann, nicht darf oder soll. „‘Der geht nur Dressur‘, heißt es dann“, erzählt Schulze-Niehues, „aber warum sagen wir nicht: Das kann der!“ Schließlich motiviert ein abwechslungsreiches Programm nicht nur die Reiter, sondern auch die Pferde. So sei beispielsweise gerade in der heutigen Zeit alles, was man mit einem Pferd vom Boden aus machen könne, unheimlich gefragt, ob das nun die Arbeit am langen Zügel, an der Longe oder Doppellonge ist oder die Bodenarbeit. „Es lohnt sich, solche Aufgaben mit ins Konzept aufzunehmen“, sagt er.

Passend dazu präsentierte Monika Schröter von der Abteilung Ausbildung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), früher selbst Trainerin auf dem Hof Schulze-Niehues, einen kleinen Beitrag aus dem Reitvereinsleben in Frankreich, wo seit zehn Jahren die Mitgliederzahlen deutlich steigen. Sie zeigte Filmsequenzen von einer Reitschule nahe Paris: 18 Shetlandponys in der Gruppe mit Kindern auf dem Rücken, ohne Sattel, teilweise ohne Gebiss, bei Reiterspielen – so manch einer in der Seminarrunde von Freckenhorst bekam leuchtende Augen und fühlte sich an die eigene Kindheit erinnert. Der zweite Film zeigte einen Ausschnitt eines Vielseitigkeitsturniers in Saumur – ebenfalls mit Shettys. „So viel zu dem Thema, was man machen kann und wie vielseitig man selbst so ein kleines Shetty einsetzen kann. Das war ein faszinierendes Erlebnis“, erzählte Schröter.  

Gutes Management = gutes Lehrpferd

Das abwechslungsreiche, klare Konzept rund um das Schulpferd war ein wichtiger Bestandteil des Seminars, das sich auch beim Rundgang über den Hof Schulze-Niehues wie ein roter Faden durchzog. Weiter ging es auch um die Umsetzung und das entsprechende Management. „Das richtige Management des Lehrpferdes ist enorm wichtig, nur das kann sein Image aufpolieren“, brachte es Ludger Schulze-Niehues auf den Punkt. Dazu gehöre es auch, das Kontingent an Lehrpferden richtig einzusetzen, damit Motivation und Sensibilität nicht auf der Strecke bleiben und Zeit zur Regeneration bleibt. „Man muss dafür aber auch mindestens zehn Pferde oder Ponys haben, denn einer fällt immer aus“, gab Schulze-Niehues zu Bedenken und verdeutlicht: Ein gutes Management bedeutet langfristig motivierte Pferde, „Pferde mit Geist“ und letzten Endes eine positive Atmosphäre.

Immer wieder betonte er, wie entscheidend es sei, das Lehrpferd zu würdigen und mit anderen Pferden gleichzustellen. Seiner Meinung nach darf es in einem Betrieb oder Verein keineswegs so aussehen, dass der Schulpferde-Unterricht eine Herabstufung für einen Reitlehrer im Betrieb sei. Und genauso wenig dürften Schulpferde schlechter als Pensionspferde gehalten werden. Zeitgemäße Haltungsbedingungen, die Fütterung und der Weidegang seien vor allem für das Lehrpferd wichtig und sind in den Augen von Schulze-Niehues ein klares Qualitätsmerkmal, das die Kunden durchaus bemerken und honorieren.

Das Herzstück rechnet sich

Und so war eines am Ende dieses Seminars klar: hier steht das Schulpferd im Mittelpunkt. Genau das zahlt sich aus, findet auch Thies Kaspareit: „Was mir besonders positiv aufgefallen ist, ist diese Wertschätzung dem Lehrpferd gegenüber mit allen Konsequenzen, die das hat. Das wird hier bei Schulze-Niehues wirklich gelebt. Das fängt beim Auslauf an geht über die vielseitige Ausbildungsmöglichkeiten und den Reitboden bis hin zu den Decken für die Pferde – Punkte, wo viele wahrscheinlich sagen, das geht doch nicht, das ist zu teuer. Aber möglicherweise kann man genau das Gegenteil beweisen. Denn so fühlen sich die Pferde unheimlich wohl, es macht einen guten Eindruck auf die Reitschüler, auf deren Eltern. Die kommen wieder. Womöglich bringen sie Jahre später selbst ihr eigenes Pferd nach der Turnierkarriere zu dieser Reitschule. Unterm Strich kann das Konzept wunderbar aufgehen.“

Literaturtipp: FN-Broschüre „Erfolgreich mit Schulpferden – durch richtiges Management und gute Ausbildung!“, komprimiert und praxisnah bietet diese Broschüre umfassende Informationen und Anregungen für Vereine, Betriebe und Ausbilder, um erfolgreich eine Reitschule zu betreiben, 106 Seiten, DIN A4, Schutzgebühr 7,50 Euro zzgl. Versandkosten als Druckversion (als Download 6 Euro) erhältlich bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, FN-Service, Telefon 02581/6362-222, E-Mail fn@fn-dokr.de, Internet www.vorreiter-deutschland.de.
Share